Der Widerspruch von schöpferischer Kraft und ökonomischer Verwertbarkeit der menschlichen Arbeitskraft wird auch 2012 das Thema Bildung begleiten. Der Beginn des neuen Jahres ist dabei gemeinhin der Zeitpunkt, Glücksversprechen zu verbreiten. Hierzu zählt auch das wiederkehrende Bild der erfolgreichen Querdenker. Auf www.welt.de (bit.ly/ukfHn6) stellte die Trainerin, Coach und Autorin Cordula Nussbaum am 2. Januar 2012 unter dem Titel »Warum die Zukunft den kreativen Chaoten gehört« ihren Ratgeber »Bunte Vögel fliegen höher« vor. In den Kommentaren weisen die Leser darauf hin, dass die Arbeitswelt hoch angepasste Menschen erwartet und Kreativität oft auf der Strecke bleibt
Kurt stöhnt: » Toll! Da wird wiedermal die Nummer mit den ›kreativen Chaoten‹ aufgewärmt. Diese Geschichte geistert seit 20 Jahren durch die Job- und Karriereratgeber in Deutschland. Schon vor zehn Jahren schrieb welt-online von den ach so tollen Chaospiloten. Emotionale Intelligenz ersetzt aber kein Ingenieurstudium. Und Kreativität ist überwiegend nicht kompatibel mit dem Einfügen in ein Team. Vor allem, wenn das Team sonst eher nicht kreativ ist. Und Querdenken ist meistens erst ab Abteilungsleiterstufe akzeptiert. Aber es ist für Menschen, die im Job scheitern, weil sie menschlich nicht dazu passen, tröstlich, von Personalcoaches erklärt zu bekommen, das liege an ihrer Kreativität.«
Ewi ergänzt: »Der Fisch, der aus dem Schwarm schwimmt wird gefressen - nicht immer, aber fast immer! Die Erfolgsstorys befassen sich nur mit den wenigen Erfolgreichen. Über die vielen ›Versager‹ spricht niemand. Unsere Gesellschaft verträgt einige kreative, braucht aber eine Masse der Arbeiter und Dienstleister, der gewöhnlichen Werktätigen, der Malocher, der LKW-Fahrer usw. Wir haben viel zu viele Häuptlinge und viel zu wenig Indianer!«
Unruhige Zukunft? antwortet: »Jetzt wo es fast nur noch Indianer (Knechte und Ein-Euro-Jobber) gibt, da wird es wieder ungemütlich im einst so friedlichen Europa. Nach 67 Jahre Frieden scheinen die Weichen auf Bürgerkrieg zu stehen, weil die Häuptlinge den Indianern die Federn klauten und nun auch noch auf Haut und Knochen gierig sind.«
Wwtk betont: »Ich arbeite in einem Technologiekonzern, hier zählt der Einzelne nichts und doch kommen am Ende innovative Produkte und Prozesse heraus. Kreativität in unserer hochkomplexen Welt geht meist nur noch von hochflexiblen, riesigen Arbeitsgemeinschaften aus und Kommunikation ist der Schlüssel zum Fortschritt. Diese so zu steuern und die Bedingungen zu schaffen, dass kleinste Potenziale von evolutionärer Verbesserung sich in Produkteigenschaften niederschlägt, ist heute die Kunst.«
Aktuelle Ausgabe: 24.05.2012
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