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Von Reinhard Schwarz 06.01.2012 / Bildung

Rundfunkgebühren für halbprivate Medienschule

Hamburg: Kontroverse um Zukunft der »Media School«

In Hamburg fließen Rundfunkgebühren und Steuermittel in den Haushalt der »Hamburg Media School« (HMS). Nachdem der Landesrechnungshof u.a. das Verhältnis zwischen öffentlicher und privater Finanzierung bemängelte, ist es in der Hansestadt zu einer Debatte um die Zukunft der Hochschule gekommen.

»Keine weiteren Steuergelder und Rundfunkgebühren für den Haushalt der ›Hamburg Media School‹ (HMS)«, fordert der Medienexperte der Linkspartei, Kersten Artus. Eine weitere Förderung der HMS mit öffentlichen Mitteln sei nicht weiter vertretbar. Rund 450 000 Euro fließen aus Rundfunkgebühren jährlich in den Betrieb der Schule. Die freiwerdenden Mittel sollten laut Artus verwendet werden, um sozialversicherungspflichtige Arbeits- und Ausbildungsplätze im Bürgersender TIDE zu schaffen.

Klimaretter

Mit diesen Forderungen steht die Linksfraktion innerhalb der Hamburger Bürgerschaft allerdings allein auf weiter Flur. Eine Streichung der öffentlichen Förderung »wäre kein gutes Signal für den Medienstandort Hamburg«, sagte Farid Müller von der GAL. Der medienpolitischer Sprecher der SPD, Hansjörg Schmidt, erklärte: »Eine Schließung der Media School lehnen wir derzeit ab, weil dort gute Arbeit geleistet wird.« Schmidt räumte allerdings ein, dass das Finanzierungsmodell der Schule überprüft werden müsse. Dass das Geld des Fernsehzuschauers »in die Förderung von Medienkompetenz« fließe, empfinde er jedoch als »nicht ungewöhnlich«.

Die HMS wurde 2003 noch unter dem CDU/Schill-Senat gegründet. Nach dem Modell der Public Private Partnership sollten Staat und private Medien zu gleichen Teilen die Schule finanzieren. Doch dieses Ziel wurde offenbar bisher nicht erreicht. Zunächst unterstützte die Hansestadt die Schule 2003 zu 97 Prozent mit einer Million Euro, wie aus einer Senatsanfrage der damaligen SPD-Abgeordneten und heutigen Wissenschaftssenatorin Dorothee Stapelfeldt aus dem Jahr 2008 hervorgeht. Nach und nach sank der Anteil der staatlichen Mittel auf immerhin noch 53 Prozent in 2010, ergab eine Anfrage der Linkspartei. Durchschnittlich trugen Hansestadt und Land Schleswig-Holstein den Haushalt der HMS zu 57 Prozent. Die Medienfirmen zeigten sich knauserig und schossen lediglich 26 Prozent hinzu. Der Anteil der Studiengebühren liegt nach dieser Berechnung bei 17 Prozent. Der Haushalt der HMS lag 2007 bei 3,89 Millionen Euro.

Die Linkspartei beruft sich bei ihrer Kritik auf den jährlichen Bericht des Rechnungshofs der Hansestadt. Dieser hatte 2011 erhebliche Mängel beim Betrieb der Medienschule festgestellt: »Die Erwartungen der Stadt an die 2003 als Public Private Partnership gegründete Hamburg Media School haben sich nur zum Teil erfüllt.« So würden immer noch zu wenig Studenten an der HMS lernen, bemängeln die Haushaltswächter. Als Planziel waren rund 150 Studenten angesetzt, doch im Schnitt besuchten jährlich nur 100 Studierende die Schule, 2010 waren es 104. Zweite Rüge: »Der angestrebte Anteil privater Finanzierungsmittel wurde nicht erreicht.« Das Verhältnis zwischen öffentlichen und privaten Mitteln sowie Studiengebühren sollte eigentlich 40/40/20 betragen. Tatsächlich lag das Verhältnis 2008/2009 bei 60/24/16. Der Staat schoss also mehr als doppelt so viel zu wie die Privatindustrie.

Die Hamburg Media School (HMS) bietet die Studiengänge Medienmanagement, Film und Journalismus an. Der Studiengang Journalismus läuft Ende 2012 aus. Im Bereich Medienmanagement werden Führungskräfte ausgebildet. Wer dort lernen will, muss tief in die Tasche greifen: Die Studiengebühren pro Jahr und Person liegen bei 12 500 Euro. R.S.

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