Am Mittwoch schien sich die Lage in Irak noch zu entspannen. Ministerpräsident Nuri al-Maliki, getragen von einer schiitisch-religiösen Koalition, wollte dann doch davon absehen, die neun Minister aus den Reihen der sunnitischen, vor allem aber säkularen Irakija-Fraktion in seinem Kabinett im Falle eines Arbeitsboykotts abzusetzen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sah die Chance für einen »Dialog im Geiste von Partnerschaft und nationaler Einheit«. Gestern könnten diese Hoffnungen durch mehrere tödliche Explosionen schon wieder verschüttet worden sein. Erst starben im mehrheitlich von Schiiten bewohnten Bagdader Stadtteil Kadhimija über 20 Menschen durch Autobomben, dann wurden fast 40 schiitische Pilger auf dem Weg zum Heiligen Schrein von Kerbela Opfer eines weiteren verheerenden Anschlags.
Zu einem Fest- und Feiertag nach fast neun Jahren Krieg und dem Abzug der letzten US-Kampftruppen hatte Maliki den 31. Dezember erklärt. Doch trug der Regierungschef mit seiner innenpolitischen Konfrontationspolitik schon in den vergangenen Monaten entscheidende Verantwortung für die Eskalation im Zweistromland. Der Machtkampf in Bagdad wird auf dem Rücken einer ohnehin leidgeprüften Bevölkerung ausgetragen, und es sind vor allem Zivilsten, die Opfer der neuen Terrorwelle werden. Im Vorjahr wurden rund 4000 getötet. Der Beginn des Jahres lässt auch für 2012 Schlimmes befürchten.
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
Preis: 10,80 €
Preis: 120,00 €
Werbung:
Werbung: