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Keine weißen Flecken

Christin Odoj will eine lebendige Erinnerungskultur

Erinnerung braucht, um nicht eines Tages zu verblassen, die Lebendigkeit. Genau deshalb regt das Berliner Abgeordnetenhaus regelmäßig zum Jahrestag der Auschwitzbefreiung Jugendliche zum Nachdenken an. Insgesamt 32 Projektideen sind dabei im letzten Jahr entstanden. Seit 2003 haben sich mehr als 4000 Jugendliche beteiligt, haben bei der Instandhaltung von Gedenkstätten zum Beispiel in Ravensbrück geholfen, Stolpersteinprojekte und Ausstellungen initiiert, Zeitzeugeninterviews dokumentiert oder als Theaterstück inszeniert.

Jede verkaufte Eintrittskarte, jede Erzählung über das eigene Projekt am Abendbrottisch oder bei Freunden hat Öffentlichkeit geschaffen, vielleicht sogar zum Grübeln angestiftet. Lebendiger geht Gedenken kaum. Ist es doch auch bitter nötig, aus unserer Erinnerung eine Kultur zu machen, die jenseits von Wissenschaft und Politik alle angeht. Schon heute haben ganze Generationen keinen direkten Bezug mehr zu dem, was menschliche Perversion einmal angerichtet hat. Bald wird es keinen Zeitzeugen mehr geben, der eindringlich vor Schulklassen berichtet, wie die millionenfache Vernichtung menschlichen Lebens grausame Realität wurde.

Erinnerung braucht neben Lebendigkeit vor allem Öffentlichkeit. Denn nur da, wo alle ständig hinschauen, kann es keine weißen Flecken geben.

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8 Kommentare zu diesem Artikel

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  • ontheedge, 02. Feb 2012 00:07

    richtig!

    Sehr wichtig und richtig, allerdings hätte ich mir den Artikel noch länger gewünscht und mit Fotos.

    • Permalink

  • Rotspoon, 02. Feb 2012 11:11

    Lebendige Erinnerungskultur? Weiße Flecke?

    Es ist absolut vergebliche Liebesmüh, heranwachsenden jungen Menschen Erinnerungen welcher Art auch immer EINZUPFLANZEN. Es funktioniert nicht. Und das ist gut so.

    Mehr als zwei Jahrzehnte wurden Schulabschlußfahrten nach Buchenwald und andere ehemaligen faschistischen KZ und Außenlager veranstaltet. Mit welchem Effekt?

    Am Tag der Opfer des Faschismus: Die internationale Länderkonferenz der VVN legte im März 1947 fest, den Gedenktag für die Opfer des Faschismus jährlich in ganz Deutschland am gleichen Tage zu begehen: am zweiten Sonntag im September. Wir haben erlebt, wie dieser Tag zur Routine verkam. Einmal rollte Rotspoon, aufgesessen mit seinem selbständigen Zug auf LKW vor der Gedenkstätte an. Nach dem Absitzen standen wir staunend vor einem langen Holztisch mit aufgestapelten Wassermelonen am Waldesrand .Ich erschrak und krabbelte flugs auf den W 50 zurück und blieb dort sitzen. So blieb mir auch die dröhnende Rede unseres recht schlichten Ersten Kreissekretärs erspart. War dann bis 89 nie wieder dort, und danach nur noch einmal. Alles Schall und Rauch.

    Die neuen Herrscher erklären nun der nachwachsenden Generation, das damals wäre verordneter Faschismus gewesen. Ist ja was dran.

    Heutzutage karren sie Schulklassen in Knabes Gruselkabinett. Das ist nun verordneter Antikommunismus. Es wird kaum was hängen bleiben bei den Kleinen. Alles Schall und Rauch.

    Das menschliche Gehirn, auch das noch ganz besonders neugierige des Kindes, mag nämlich nicht mit VERGANGENEM Grauen oder was die jeweils Herrschenden dafür halten, konfrontiert werden. Es macht da oben klickund weg ist es

    Es ist aber hilfreich, wenn an Orten des Grauens schlichte Denkmale aufgestellt werden. In den 80ern stießen wir sommers in der Hügellandschaft südwestlich Kolin auf einen Tumulus (www.novaves.cz/bitva.html). 1757 54 000 Deutsche gegen 34 000 Deutsche. Es blieben auf dem Felde 22 000 Deutsche. Nie vergessen. Wird beim Sichwort Preußen immer aufgerufen.

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  • vlun, 02. Feb 2012 11:26

    Re: Lebendige Erinnerungskultur? Weiße Flecke?

    Tja. Es gibt leider zahlreiche finstere Kapitel in der deutschen Geschichte, ob man es wahr haben will oder nicht. So viele Denkmäler könnte man nicht bauen und so viele Gedenktage könnte man nicht einrichten.

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  • Rotspoon, 02. Feb 2012 11:31

    Doch!

    Schlichte Denkmale - keine Gedenktage.

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  • Berndchen, 02. Feb 2012 11:35

    Zum Beispiel:

    Gute Bücher.

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  • Rotspoon, 02. Feb 2012 11:46

    Zum Beispiel

    Grimmelshausen: Abentheuerliche Simplicissimus Teutsch. Mit 12 gelesen. Das Grauen nie vergessen. Macht jede Geschichtsstundfe über den Dreißigjährigen entbehrlich.

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  • Rotspoon, 02. Feb 2012 11:57

    Babbelt irgendwo einer was von Gustav Adolf den andra

    Macht es Klick und Christoffels Beschreibung des Schwedentrunks ist gegenwärtig.

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  • Berndchen, 05. Feb 2012 14:48

    Re: Zum Beispiel

    Ja. Kenn ich auch. Das und viele andere Werke waren ja Pflichtlektüre in der Schule.
    Und ich las mit vierzehn "SS im Einsatz", vielleicht die "moderne Version" des Grimmelshausen. Sowas prägt fürs Leben.
    Das Buch ist übrigens seit kurzem wieder neu aufgelegt worden.

    • Permalink

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