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Von Roland Etzel 06.01.2012 / Titel

EU macht Front am Golf

Ölembargo gegen Iran - Europäer schließen sich Forderung der USA an

Die USA haben die Ankündigung eines Ölembargos der EU gegen Iran - wegen dessen angeblicher Atomrüstung - als »sehr gute Neuigkeit« bezeichnet. Dieser Schritt sei das Ergebnis von Konsultationen zwischen Washington und seinen europäischen Partnern. Während die deutsche Regierung dazu erwartungsgemäß wenig bis nichts sagt, hat sich auch aus dem Oppositionslager einzig die LINKE deutlich erklärt - gegen ein Ölembargo.

Lobende Worte aus Washington für die Europäische Union waren zuletzt recht rar geworden. Ob Afghanistan-Krieg, Finanzkrise oder Militärbudgets - die westliche Führungsmacht hatte stets stärkere Gefolgschaft für ihre weltpolitischen Ordnungsvorstellungen verlangt als erhalten und entsprechend gereizt reagiert. Am Mittwochabend aber gab es großen Zuspruch aus dem US-Außenministerium für die Verbündeten in Westeuropa. Das Lob galt deren Absicht, Ende es Monats ein Erdölembargo gegen Iran zu beschließen.

Da könne kaum noch etwas schiefgehen, hatte Frankreichs Außenminister Alain Juppé eilfertig schon am Mittwoch im Pariser »Figaro« versichert. Im Buhlen der EU-Schwergewichte um die größte politische Nähe zum Weißen Haus liegt der Elysée-Palast jetzt deutlich vor Downing Street Nr. 10. Die Verhandlungen der EU-Partner mit dem Ziel, am 30. Januar ein Ölembargo gegen Teheran zu beschließen, freut sich Juppé, seien auf »gutem Wege«. Das US-Außenamt von Hillary Clinton erklärte dazu umgehend, dies sei eine »sehr gute Neuigkeit«.

Was könnte das im einzelnen sein, worauf sich Juppé und Clinton so freuen? Iran, das vom Öl lebt, könnte keines mehr in den EU-Raum verkaufen. Für fast alle westlichen Staaten änderte sich damit wenig, nicht allerdings für Griechenland und Italien, die jeweils zwischen 13 und 15 Prozent ihres Ölverbrauchs aus iranischen Quellen speisen. Ihnen versicherte man, Irans Erzfeind Saudi-Arabien sei bereit, sofort als Lieferant in die Bresche zu springen. Doch zu welchem Preis? Ein Wink mit dem Euro-Rettungsschirm soll die notleidenden Regierungen in Athen und Rom offenbar gefügig machen.

Da verwundert es umgekehrt nicht, dass jene Staaten am lautesten nach Sanktionen gegen Iran schreien, die kaum davon berührt sein werden. Das sind die USA, die nach dem Sturz des mit ihnen verbündeten Schahs 1979 alle Wirtschaftsbeziehungen zu Teheran abgebrochen haben, und Frankreich, das gedenkt, sich auf dem von konkurrierenden Interessen freigebombten libyschen Ölmarkt schadlos zu halten.

Iranische und auch russische Verständigungssignale werden da als sehr störend empfunden. Nicht allein deshalb bezeichnet der LINKE-Bundestagsabgeordnete Jan van Aken ein Embargo als falsch. Der frühere UN-Waffeninspekteur hält den Verweis der EU auf den Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde für »verlogen«, denn er enthalte keinen einzigen stichhaltigen Beleg für ein iranisches militärisches Atomprogramm in den Jahren seit 2003. »Die fortdauernde Ausweitung von Sanktionen zeigt hingegen den fehlenden Willen der EU, konstruktive diplomatische Lösungen zu suchen und sorgt nur für eine weitere Verhärtung der Positionen.«

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2 Kommentare zu diesem Artikel

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  • Rotspoon, 05. Jan 2012 21:42

    Auch in diesem Persischen Golf

    wird viel Wind gemacht

    • Permalink

  • guenter1952, 05. Jan 2012 21:56

    Es geht nicht um den vom Westen

    konstruierten "Atomkonflikt."
    Es geht um ein unliebsames Regime, dessen Macht beschnitten und das
    beseitigt werden soll.
    Selbst wenn der Iran jetzt komplett alle Atomaktivitäten einstellen würde,
    es würde ihm überhaupt nichts nützen. Sofort würden andere Gründe
    für "Sanktionen" und aggressive Massnahmen gefunden werden.
    Erst Libyen, jetzt Syrien, dann der Libanon (ja, vor dem Angriff auf den
    Iran muss erst noch die Hisbollah im Libanon beseitigt werden), dann der Iran.
    Ziel ist, keine anderen Staatsformen als solche des US-Way-of-Live
    zuzulassen.
    Hinzu kommt noch eine "Kleinigkeit": wenn Syrien, der Libanon und der
    Iran so wie jetzt Libyen wieder auf den Westen ausgerichtet sind, ist auch der Traum der Palästinenser von einem Staat beendet - dann dürfte Israel offiziell das West-Jordan-Land als Teil Israels deklarieren.
    .
    Aber trotzdem gut, das sich die Linke dagegen stellt. Denn damit spricht
    sie der Mehrheit im Land aus dem Herzen. Und hoffentlich schießen nicht
    wieder einige aus der Linken quer. Ich erinnere nur an Frau Pau, die schon
    lange teifgreifende Sanktionen gegen den Iran fordert.

    • Permalink

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