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Foto: privat
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nd: Wie das Hamburgische WeltWirtschaftsinstitut am Dienstag meldete, sollen Deutschlands Rentner im vergangenen Jahr einen realen Kaufkraftverlust erlitten haben. Wie kann das sein; schließlich sind die Renten 2011 doch gestiegen?
Spieler: Die Renten sind zwar gestiegen, aber sie sind weniger gestiegen als die Preise. Die Preissteigerungsrate im Jahr 2011 lag bei 2,3 Prozent. Die Renten sind in Ost wie West hingegen nur um 0,99 Prozent gestiegen. Das heißt, die Rentnerinnen und Rentner haben reale Einkommensverluste zu verzeichnen.
Wird denn die Inflation bei der jährlichen Rentenanpassung nicht berücksichtigt?
Nein. Die Rentenanpassungen richten sich nach der Lohnentwicklung und nicht nach der Preissteigerungsrate. Die Löhne sind in den letzten Jahren nicht ausreichend gestiegen, so dass die Renten hinterherhinken. Hinzu kommen noch die sogenannten Kürzungsfaktoren in der Rentenanpassung wie der Riester-Faktor, mit dem bei den Rentnerinnen und Rentnern ein gewisser Anteil der Rentensteigerung weggekürzt wird.
Mit welcher Begründung erfolgen diese Kürzungen?
Es heißt, dass die Menschen privat vorsorgen sollen, also vor allem mit der Riester-Rente. Um einen Ausgleich zu schaffen, sollen die Renten dementsprechend weniger steigen. Zudem gibt es den Nachhaltigkeitsfaktor. Das ist ein Faktor, der sich nach dem Verhältnis zwischen der Anzahl der Erwerbstätigen und der Anzahl der Rentner bestimmt. Von der Bundesregierung wird stets betont, dass sich dieses Verhältnis ja zu Ungunsten der Beschäftigten entwickeln würde. Wenn man also die Rentensteigerungen nicht kappen würde, hätten die Beschäftigten in der Zukunft immer höhere Beiträge zu bezahlen. Aber diese Begründung negiert die gleichzeitig wachsende Produktivität.
Gibt es denn nicht ohnehin genug »natürliche« Kürzungsfaktoren wie etwa Arbeitslosigkeit?
Ja. Insbesondere in diesen Zeiten, in denen lückenhafte Erwerbsverläufe, Niedriglöhne oder Zeiten der Arbeitslosigkeit ohnehin die Ansprüche bei der Rente beschneiden.
Zurück zum Problem der Inflation. Wäre es möglich, die Rente gegen diese Kaufkraftverluste abzusichern?
Das ist nicht unproblematisch, aber man müsste zumindest sicherstellen, dass die Renten soweit wachsen, dass die Preissteigerungen aufgefangen werden können. Aber eigentlich wäre es wichtiger, dass die Löhne und die Verdienste der Beschäftigten entsprechend wachsen. Denn es kann nicht sein, dass die Beschäftigten und Rentner solche Reallohnverluste erleiden, wie das in den letzten zehn Jahren der Fall ist.
Das heißt, wenn sich die Gewerkschaften in diesem Jahr mit ihren Gehaltsforderungen durchsetzen, wird das 2013 auch einen geringeren Kaufkraftverlust für die Rentner zur Folge haben?
Ja. Aber es geht nicht nur um die Durchsetzung aktueller Lohnforderungen. Es geht auch um die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes. Das wäre zumindest eine Untergrenze, um künftige Armutsrenten in stärkerem Maße zu vermeiden.
Fragen: Fabian Lambeck
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
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