Ein junger Mann beschattet einen noch jüngeren und findet selbst, dass er das eigentlich nicht tun sollte. Denn nur weil einer auf dem Weg zur Schule mal einen Joint raucht (und deswegen von einem Mitschüler und Polizeispitzel verpfiffen wurde), ist er noch kein Drogenkrimineller und die Untat keine jahrelange Haftstrafe wert. Leider ist der junge Mann Polizist und offiziell angesetzt auf den gar nicht so viel jüngeren Schüler, und sein Chef ganz und gar nicht interessiert an des Polizisten Gewissensregungen. Theoretisch steht auf Drogenkonsum Haft, und wenn das Gesetz das theoretisch vorsieht, warum es nicht auch praktisch umsetzen?
Cristi (Dragos Bucur) aber zieht Vergleichsbeispiele heran. In Prag zum Beispiel, dem Ziel seiner Hochzeitsreise vor nicht allzu langer Zeit, werden Joint-Raucher gar nicht erst verhaftet. Und sonst wo in Europa auch lange nicht mehr. Wenn aber das restliche Europa das nicht mehr tue, also einen jugendlichen Haschraucher gleich für sieben Jahre ins Gefängnis werfen, dann sei doch auch in Rumänien bald mit einer Gesetzesänderung zu rechnen. Und warum für ein Gesetz, dessen Tage ohnehin gezählt seien, das Leben eines Jugendlichen ruinieren, der doch nur selber rauche und gar nicht wirklich Dealer sei? Den Staatsanwalt interessiert die Geschichte von Prag und seinen Gesetzen allenfalls wegen ihres Beinamens: die Goldene Stadt, das wäre schließlich auch eine passende Beschreibung für das rumänische Brasov, das mal eine Kirche mit einem goldenen Dach hatte, die aber leider den Flammen zum Opfer fiel. Wenn man die wieder aufbaute, könnte sich Brasov bei einem ähnlich klingenden Namen nennen wie vor dem Ende des alten Regimes. Schließlich sei »Goldene Stadt« doch nicht so viel schlechter als »Stalin-Stadt« und würde sicher auch Touristen anlocken.
Und überhaupt, welche Gesetzesänderung? Die gesellschaftliche Akzeptanz des Haschrauchens möge sich ändern, so viel räumt auch der Staatsanwalt ein, aber die Gesetze? Nie und nimmer. Denn Gesetze ändern sich nicht mit den Menschen, Gesetze sind für immer. So war das bisher, so wird das bleiben. Und ein Schüler, dessen Vater Buchhalter sei, der sei ja ohnehin nach der halben Haftzeit wieder draußen. Also belauert Cristi weiter weisungsgemäß den Schüler, sammelt jede seiner Kippen ein und notiert Zeit und Fundort, während um ihn herum die Kinder spielen, Hausfrauen einkaufen und das Leben in der Einöde der betonsichtigen Wohnsilos und schäbigen Behördenbüros von Vaslui weitergeht.
Dass aber Cristi mit jedem Schritt erkennungsdienstlicher Nachforschung auf einen etwas größeren Fisch aus dessen Umfeld hofft, den er an Stelle des Schülers an die Angel des Gesetzes hängen könnte, während er behördliche Querverweise überprüft und handschriftliche Berichte zusammenstellt, in denen er zu keinen anderen Ergebnissen kommt, als dass der observierte Schüler seine Haschzigarette mag, ist von einer stillen Subversion gegen die (fort)bestehenden Verhältnisse. Recht und Gerechtigkeit, öffentlicher Auftrag und persönliches Gewissen, offiziell geregelte Begrifflichkeit und ihre praktischen Folgen - »Police, adjective« ist eine meisterliche Abhandlung über grundlegende Fragen des gesellschaftlichen Alltags, ein Polizeifilm, in dem keine einzige andere Waffe vorkommt als die des schriftlich niedergelegten Wortes. Und das entfaltet seine maximale Wirkung.
Aktuelle Ausgabe: 24.05.2012
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