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Von Hans-Georg Draheim
12.01.2012

Wachstum im Abwärtstrend

Auf das zweite Boomjahr folgt die Rezessionsgefahr

Trotz der insgesamt robusten Situation der deutschen Wirtschaft im vergangenen Jahr haben die Risiken der Finanz- und Euro-Schuldenkrise zugenommen. Nach offiziellen Prognosen ist 2012 mit einer deutlichen Schrumpfung des Bruttoinlandsproduktes um bis zu 0,5 Prozent zu rechnen. Auch eine Rezession schließen Experten nicht mehr aus.

Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Mittwoch bekannt gab, hat das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2011 gegenüber dem Vorjahr preisbereinigt um 3,0 Prozent zugelegt. Während die Wirtschaftsleistung in den ersten sechs Monaten um 3,9 Prozent zunahm, kam es in der zweiten Jahreshälfte zu einer merklichen Abschwächung des Wachstums auf 2,0 Prozent. Im letzten Quartal schrumpfte das BIP nach vorläufigen Berechnungen aus Wiesbaden sogar.

Dennoch kamen 2011 insgesamt gesehen starke Wachstumsimpulse aus dem In- und Ausland. So stiegen die Ausrüstungsinvestitionen im Jahresdurchschnitt um real 8,2 Prozent. Auch die Bauinvestitionen haben vor allem durch Aufholeffekte mit plus 5,4 Prozent deutlich zugelegt. Gleichfalls erreichten die Exporte durch die hohe Dynamik der ersten Jahreshälfte 2011 insgesamt ein Plus von 8,2 Prozent erreicht. Der erneut gestiegene Ausfuhrüberschuss erbrachte mehr als ein Viertel des gesamtwirtschaftlichen Wachstums.

Kaufkraft und Konsum wurden 2011 vor allem durch höhere Verbraucherpreise weiterhin deutlich geschwächt. Während die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte nominal um 3,3 Prozent sowie real um etwa 1,1 Prozent stiegen, ergab sich beim privaten Konsum im Vorjahresvergleich ein Plus von real 1,5 Prozent. Trotz des sogenannten Jobwunders - mit durchschnittlich 41,049 Millionen Erwerbstätigen wurde 2011 ein neuer Jahresrekord erreicht - hat sich der Kreislauf zwischen Arbeitslosigkeit, Unterbeschäftigung und Billiglöhnen weiter fortgesetzt. Auch durch den Anstieg der Beschäftigung 2011 um 3,1 Prozent bzw. 541 000 Personen sowie den Rückgang der Arbeitslosigkeit um 7,7 Prozent bzw. 326 000 Personen per Jahresende gegenüber 2010 hat sich die Situation insgesamt für etwa ein Drittel der Erwerbstätigen kaum verbessert. Mehr als 15 Prozent der Bevölkerung sind armutsgefährdet. Obwohl das Arbeitnehmerentgelt 2011 nominal um 4,5 Prozent zulegt hat, stieg es real nur um etwa 2,3 Prozent. Die Unternehmens- und Vermögenseinkommen erreichten ein Plus von nominal 1,5 Prozent.

Entstehungsseitig war das Bruttoinlandsprodukt in nahezu allen Bereichen noch immer von Aufholeffekten geprägt. Insgesamt stieg die preisbereinigte Bruttowertschöpfung aller Wirtschaftsbereiche im Jahr 2011 um 3,0 Prozent, während die gesamtwirtschaftliche Produktivität um 1,6 Prozent zunahm.

Schließlich ist festzustellen, dass der Staatssektor nach vorläufigen Berechnungen ein Finanzierungsdefizit in Höhe von 26,7 Milliarden Euro verzeichnete. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt in jeweiligen Preisen errechnet sich daraus eine Defizitquote von 1,0 Prozent. Damit wurde der im Maastricht-Vertrag genannte Referenzwert von drei Prozent deutlich unterschritten. 2009 und 2010 war der Referenzwert jeweils überschritten worden.

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