Mehr als 56 Jahre nach dem ersten Anwerbeabkommen für ausländische Arbeitskräfte legte die Bundesregierung am Donnerstag ihren zweiten »Integrationsindikatorenbericht« vor. Die jahrzehntelange Untätigkeit scheint vergessen: Nun soll es ganz schnell gehen mit der Integration. Immerhin leben hierzulande rund 16 Millionen Zuwanderer und deren Kinder.
Wie Maria Böhmer (CDU), die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, am Donnerstag anlässlich der Vorstellung des Berichtes sagte, mache die Integration »deutliche Fortschritte«. Trotzdem, so Böhmer, seien »die Unterschiede zwischen Migranten und Menschen ohne Migrationshintergrund zu groß«.
Integration bedeutet im Verständnis der Bundesregierung »Angleichung der Lebensverhältnisse«, wie die Bundesbeauftragte erläuterte. Die gleiche Formulierung verwendet die Regierung übrigens auch im Zusammenhang mit der Deutschen Einheit. Ähnlich wie diese kommt auch die Inte᠆gration nur langsam voran.
Der nun vorgelegte zweite Integrationsbericht bezieht sich auf den Zeitraum von 2005 bis 2010. In dieser Periode ging der Anteil der Jugendlichen mit Migrationshintergrund ohne Schulabschluss um 15 Prozent zurück. Wobei zu beachten ist, dass dieser Anteil bei Personen in der zweiten Generation - also ohne eigene Migrationserfahrungen - deutlich geringer ist. Insgesamt waren 2010 etwa 4,4 Prozent der 18- bis 24-jährigen Migranten ohne Abschluss.
Wie Studienautor Ruud Koopmans betonte, zeigten die Untersuchungen zudem, dass nicht der Migrationshintergrund über die Schulkarriere entscheide, sondern die soziale Herkunft. Koopmans verwies darauf, dass ein solcher Hintergrund in der Schule keinen Einfluss auf den Erfolg habe, wenn »zu Hause Deutsch gesprochen wird«. Es seien allein Schwierigkeiten mit der Sprache, die für eine »Benachteiligung im Bildungssektor« sorgten, sagte Koopmans.
Erfreulich: Seit 2005 hat sich der Anteil der ausländischen Jugendlichen, die die Hochschulreife erwarben, um 28 Prozent erhöht. Bessere Bildung verbessert auch die Chancen auf dem Arbeitsmarkt: So sank die Erwerbslosenquote bei Migranten im gleichen Zeitraum von 18,1 auf 11,8 Prozent. Allerdings war sie damit immer noch doppelt so hoch wie die der Gesamtbevölkerung. So kann es kaum verwundern, dass das Risiko, arm zu werden, bei Zugewanderten ungleich höher ist als bei Einheimischen. Zwar sei auch hier eine leicht positive Entwicklung zu verzeichnen, so Böhmer. Dennoch besteht bei mehr als einem Viertel der Zugewanderten das Risiko zu verarmen. Im Vergleich dazu betrifft dies nur 11,7 Prozent der Gesamtbevölkerung.
Viele der Betroffenen finden keinen Job, weil ihre im Ausland erworbenen Berufsabschlüsse bislang nicht anerkannt werden. Eine Untersuchung der Bundesregierung kam 2008 zu dem Ergebnis, dass hierzulande 2,9 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund leben, »die ihren höchsten beruflichen Abschluss« außerhalb Deutschlands erworben haben. Das im April dieses Jahres in Kraft tretende »Anerkennungsgesetz« soll Abhilfe schaffen, denn es ermöglicht einheitliche Bewertungen von beruflichen Auslandsqualifikationen. »Es ist ein Meilenstein der Integration«, lobte Böhmer.
Übrigens: Große Integrationsdefizite hat nach wie vor der Öffentliche Dienst. Hier liegt die Migrantenquote mit 9,9 Prozent deutlich unter deren Anteil der Gesamtbevölkerung. Viel Diskussionsstoff also für den mittlerweile fünften Integrationsgipfel am 31. Januar.
Mit rassistischen Thesen schien Thilo Sarrazin in der Bevölkerung zwar Ablehnung aber, hinter vorgehaltener Hand, auch viel Zustimmung auszulösen. U.a. vom jetzigen Bundespräsidenten, der Sarrazin Mut bescheinigte. Immerhin erntete er dafür viel Missgunst. Wie weit sind wir in Sachen Integration? ND bleibt dem Thema auf der Spur. Mehr
Es macht keinen Unterschied, ob ich von einem indigenen oder schwarzen oder türkischstämmigen Bullen eins mit dem Knüppel übergezogen bekomme.
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