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Rainer August und Klaus Materne beseitigen Asbest.
Foto: Wilfried Neiße
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So lange ist es nun schon her, aber noch gut in Erinnerung: Mit dem Alarmruf »Asbest« wurde die letzte DDR-Volkskammer aus dem Palast der Republik geworfen, weil angeblich die Vergiftung der frei gewählten Abgeordneten durch das heimtückische DDR-Regime drohte. Wie heute jedes Kind weiß, war das maßlos übertrieben. Eine wirkliche Gefahr für die Besucher und Mitarbeiter des Palastes bestand niemals. Aber es reichte, um die Volkskammer zu verjagen und den Startschuss zum Abriss des Palastes zu geben.
Nun schien es zunächst, als würde dem brandenburgischen Landtag ein gleiches Schicksal drohen. Seit einer Woche ist der gesamte Keller gesperrt. »Vorsicht Asbestfeinstaub« warnen Schilder. Ein thüringisches Unternehmen beseitigt seit Wochen die Asbest-Ummantelung der Heizungsrohre. Dieser Tage sollen die Arbeiten zu Ende gehen. Aufgeregte Fragen begleiteten den Vorgang: Drohte den Abgeordneten Gefahr? Waren die Mitarbeiter, die im Keller ihr Depot haben, bedroht? Zwei Abgeordnete hatten einstmals im Keller ihre Büros, weil sie aus ihren jeweiligen Fraktionen ausgestoßen worden waren. Hängt der frühe Tod der Abgeordneten Rosemarie Fuchs (FDP) und Klaus Häßler (CDU) damit zusammen, dass sie jahrelang »Kellerkinder« des Landtags waren?
»Definitiv nicht«, sagte Landtagsdirektor Detlef Voigt, der die Sanierungsarbeiten beim Landesbaubetrieb in Auftrag gegeben hatte. Eine Gefahr habe auch nicht für Menschen bestanden, die sich im Keller aufgehalten haben, weil der aufgefundene Asbest gebunden und sozusagen verpackt gewesen ist. Trotzdem kam der Landtag, der eigentlich in zwei Jahren den »Kreml« auf dem Brauhausberg verlassen will, um ins wieder errichtete Stadtschloss zu ziehen, an der recht aufwändigen Asbestsanierung nicht vorbei. Im August 2011 wurde bei einer Routineüberprüfung durch den Sicherheitsbeauftragten festgestellt, dass sich Teile der Rohrummantelung gelöst haben und dass die Bruchstücke gefährlich sein könnten. Die Analyse einer Probe ergab: Asbest in einer gebundenen Form. Ende Oktober ging das Gutachten ein und die Sache hätte damit ihr Bewenden haben können. Denn Asbest ist nur freigesetzt ein Problem; was eventuell gelöst war, hätte mit Spezialstaubsaugern in Schutzanzügen abgesaugt werden können, der Rest wäre zu sichern gewesen. Niemand hätte an der Ummantelung rühren dürfen, und der Landtag hätte auf diese Weise die verbleibenden zwei Jahre bis zum Umzug mit dem Provisorium leben können.
Unglücklicherweise konnte der Bereich aber nicht unberührt bleiben, weil festgestellt worden war, dass die Brandmelder an der über 100 Jahre alten Heizungsanlage defekt waren und ausgetauscht werden mussten. Das erforderte Arbeiten an den Rohren und weil das Bearbeitungsverbot am Asbestmantel dabei nicht hätte eingehalten werden können, führte nichts an der Asbestsanierung vorbei. Nach einer Ausschreibung wurde vor einigen Tagen damit begonnen. Niemand durfte in den Keller, die thüringische Firma führte den Auftrag mit Spezialtechnik aus. Ein Teil des Kellers ist schon wieder zugänglich. Die Entwarnung steht vor der Tür.
Der Landtag ist somit an einem vorzeitigen Auszug vorbeigekommen. 1991 wich das Parlament überstürzt aus dem Plenarsaal an der Heinrich-Mann-Allee, als der damalige Finanzminister Klaus-Dieter Kühbacher (SPD) die düstere These in Umlauf brachte, die Decke sei einsturzgefährdet. Auch das entsprach nicht den Tatsachen. Aber es reichte, die ängstlichen Parlamentarier in Bewegung zu setzen. Sie zogen in die ehemalige SED-Bezirksleitung auf dem Brauhausberg, genannt »Kreml« oder auch mal »schäbigster Landtag zwischen Atlantik und Ural«.
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