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Von Andreas Fritsche
17.01.2012

Eingetaucht in den Großen Stechlinsee

Ein Buch über das zweitgrößte Naturschutzgebiet Brandenburgs

»Seit mehr als 40 Jahren hält uns der Stechlin in seinem Bann. Er wird uns ganz sicher weiterhin magisch anziehen.« Der passionierte Taucher und Unterwasserfotograf Michael Feierabend und der Biologe Rainer Koschel schwärmen für den Stechlinsee und seine Umgebung. Gemeinsam haben sie das Buch »Faszination Stechlin« geschrieben.

Die Schwärmerei ist ansteckend. Beeindruckende Bilder und liebevolle Schilderungen der Natur machen Lust, die Gegend, die zu den schönsten in Brandenburg gehört, wieder einmal zu besuchen, aber den Tieren und Pflanzen dabei bloß keinen Schaden zuzufügen.

Bestrebungen, den Großen Stechlinsee unter Naturschutz zu stellen, gab es bereits in der Weimarer Republik. 1938 sind neben diesem See noch zwei weitere Seen und angrenzende Wälder - insgesamt 1774 Hektar - ins Reichsnaturschutzbuch eingetragen worden. Doch für Görings Staatsekretär Erhard Milch wurde eine Ausnahme gemacht. Dem späteren Generalfeldmarschall und Generalluftzeugmeister blieb in dem sensiblen Gebiet ein Jagdrevier samt einem extra erbauten Jagdhaus vorbehalten. Heute umfasst das Naturschutzgebiet Stechlin 8670 Hektar. Es ist das zweitgrößte Naturschutzgebiet Brandenburgs.

Der Stechlin ist nicht nur Schauplatz eins gleichnamigen Romans von Theodor Fontane. Es handelt sich vermutlich um den am besten erforschten See der Welt. Denn die DDR beschloss, in der Nähe ein Atomkraftwerk zu bauen, frisches Kühlwasser zu entnehmen und erhitztes Kühlwasser einzuleiten. Man war sich bewusst, dass dies Folgen für das Ökosystem haben würde, wusste jedoch nichts Genaues und siedelte deswegen zwei Forschungsinstitute am 69,5 Meter tiefen Stechlinsee an. Diese sollten die Auswirkungen untersuchen. Koschel selbst forschte mehr als 40 Jahre am Stechlinsee, von 1992 bis 2008 leitete er dort die Außenstelle des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei.

Die Radioaktivität war beim kleinen Kernkraftwerk Rheinsberg, das 1966 mit einem 70 Megawatt Druckwasserreaktor in Betrieb ging und ab 1987 keinen Strom mehr produzierte, kein Problem. Sie ist kaum messbar. Die Reaktorkatastrophe im über 1000 Kilometer entfernten Tschernobyl hat hier größere Spuren hinterlassen. Doch jahrelang wurden täglich 290 000 Kubikmeter Kühlwasser eingeleitet, die zehn Grad wärmer waren als normal. Selbst im Winter herrschten deswegen in der Westbucht, am Auslaufkanal des Atomkraftwerks, teilweise Wassertemperaturen von 20 Grad. Badegäste freuten sich darüber, doch dergleichen störte selbstverständlich das ökologische Gleichgewicht, es beeinträchtigte die Schlupfzeiten von Insekten und das Laichen von Fischen. Das wirkt bis heute nach.

Nun kommt hinzu, dass der Stechlinsee gegen den globalen Klimawandel und damit gegen eine erneute Temperaturerhöhung ankämpfen muss. Der Mensch müsse handeln, die Erderwärmung eindämmen, den Schadstoffausstoß drastisch vermindern und den Naturschutz forcieren, verlangend die Autoren des Buches eindringlich.

Michael Feierabend und Rainer Koschel: »Faszination Stechlin«, be.bra, 160 Seiten (geb.), 19,95 Euro

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