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In der Massentierhaltung werden Stress und Verletzungen systematisch in Kauf genommen. In der Kurzmast für Brathähnchen sind 39 Kilogramm Lebendgewicht pro Quadratmeter erlaubt, das sind rund 23 Hähnchen. Wir haben viele informelle Kontakte mit Erzeugern und haben Hähnchenmäster gefragt: »Was müsstet ihr tun, um aus diesem System rauszukommen?« Sie haben geantwortet: »Wenn wir auf 25 Kilogramm runtergehen, müssen wir pro Kilo 15 Cent zusätzlich erlösen.« Und das bei einem momentanen Gewinn von vier bis acht Cent pro Huhn. Es ist schwierig, solch einen Preisanstieg in der gesamten Wertschöpfungskette durchzusetzen.
Mäster, die gerne anders produzieren würden, sagen, sie können das aus wirtschaftlichen Gründen nicht. Viele Landwirte wollen raus aus der Intensivierungsspirale, aber sie sind das schwächste Glied. Die Verantwortung liegt bei den Fleischerzeugern und beim Handel. Die Bauern sind zumeist nur Lohnmäster für Konzerne, die alles aus einer Hand machen: Sie liefern die Küken, das Futter samt Zusätzen und schlachten auch selbst. Einem Landwirt mit 40 000 Mastplätzen, was 300 000 Tieren im Jahr entspricht, bleiben 18 000 Euro Jahreslohn. Das ist also nur ein Nebenerwerb. Im »Kritischen Agrarbericht« finden sich Zahlen, die in der Branche inoffiziell bestätigt werden: 25 Prozent der Hähnchenmäster können kostengünstiger als die anderen produzieren, etwa weil sie Futter oder Wärme selbst erzeugen, und machen Gewinne. Ein Viertel der Mäster aber zahlt noch drauf. Die Erlöse in der Branche sind so gering, dass Betriebe, die für nötige Investitionen Kredite aufnehmen, unter Umständen jahrelang nur für die Bank arbeiten.
Fotos aus Tierställen am Ende der Mast, die Fleischprodukten beiliegen, würden das Konsumverhalten der Verbraucher wohl drastisch ändern.
Stefan Johnigk ist Biologe, forschte an der Universität Kiel und ist seit 2008 Geschäftsführer des Nutztierschutzverbands ProVieh.
Aktuelle Ausgabe: 24.05.2012
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