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Von Andreas Knudsen, Kopenhagen 18.01.2012 / Wirtschaft

Gegenwind für Windenergie

Branche kämpft mit Überkapazitäten / Weltmarktführer Vestas meldet erneut Massenentlassungen

Nicht nur die Hersteller von Solaranlagen haben mit schweren Problemen zu kämpfen. Auch der dänische Windanlagenproduzent und Weltmarktführer Vestas baut massiv Stellen ab.

Die Windenergiebranche kämpft derzeit mit starkem Gegenwind. Das müssen die Investoren weltweit konstatieren, wenn sie den Verlauf der Aktienkurse seit dem historischen Hoch Ende 2009 verfolgen. Die Aktienkurse fielen um 70 bis 90 Prozent - gleichgültig, ob es sich um den dänischen Weltmarktführer Vestas, den indischen Aufsteiger Suzlon, den spanischen Produzenten Gamesa oder chinesische Hersteller handelt.

So gesehen kam die Mitteilung von Vestas, in den nächsten Wochen 2350 Mitarbeiter, etwa 1000 davon in Dänemark, entlassen zu müssen, nicht überraschend. Neben einer kompletten Fabrik in Varde (Jütland), die Türme für den europäischen Markt produziert, sowie einer spanischen Fabrik werden vorzugsweise Stellen in der weit verzweigten Verwaltung gestrichen. Falls die Steuerbegünstigungen für Windenergieerzeugung in den USA nicht durch den Kongress verlängert werden, müssen sich auch die Beschäftigten in den dortigen Vestas-Fabriken auf Entlassungen im zweiten Halbjahr 2012 einrichten. Der Widerstand im Kongress ist groß und vieles wird vom Verlauf des Präsidentschaftswahlkampfes abhängen.

Vestas kämpft intern mit Qualitätsproblemen sowie zu geringer Produktivität verglichen mit seinen Wettbewerbern. Ganz anders ist die Situation bei Siemens Windpower ebenfalls mit Hauptsitz in Dänemark. Hier setzt man vorzugsweise auf die derzeit boomenden Offshore-Windräder, investiert in neue Produktionsstätten und setzt auf Neueinstellungen. Ob dies das bessere Marktsegment ist oder ob die Krise nur zeitverschoben einsetzt, bleibt abzuwarten.

An Vestas können die Probleme der ganzen Branche abgelesen werden. Im Vorfeld der Klimakonferenz in Kopenhagen wurde in Erwartung einer globalen grünen Energiepolitik weltweit in neue Produktionsanlagen investiert. In Folge der aber noch immer fehlenden globalen Zielsetzungen zögern die politisch Verantwortlichen mit umfangreichen Bewilligungen für Windenergieparks, die über die Strompreise letztlich vom Privatverbraucher finanziert werden müssen. Selbst in der Bevölkerung traditionell klimaschutzfreundlich gesinnter Länder wie Dänemark wird jedoch immer häufiger die Frage gestellt, warum auch 30 Jahre nach dem technologischen Durchbruch der Windradtechnologie die Branche über höhere Kilowattstundenpreise gestützt werden muss.

Das dänische Parlament diskutiert gegenwärtig über einen neuen Energieplan, der den Kurs über viele Jahre festlegen soll. Dabei geht es nicht nur um politische und technische Lösungen, sondern auch um den Rückhalt in der Bevölkerung. Die erneut steigenden Benzinpreise, die politischen Unruhen in vielen Teilen der Welt sowie die auslaufenden Reserven des Nordseeöls liefern dazu schmerzhafte und klar fassbare Argumente für nicht-fossile Technologien.

Zum Gesamtbild der Cleantech-Branche gehört aber auch, dass Produzenten steigende Umsätze und Gewinne verzeichnen. Hier werden Lösungen verkauft, die im Markt nachgefragt werden und keine staatliche Stützung verlangen. Eine steigende Zahl von Ökonomen und Experten der Energiebranche wünscht deshalb, staatliche Mittel von Zuschüssen zum Bau von Windparks auf die Forschung umzulenken.

Ein weiteres Problem insbesondere der europäischen Windbranche sind bestehende Überkapazitäten. Die Märkte in Europa und Nordamerika sind nicht im erhofften Umfang gewachsen, und auch die Hoffnungen, die auf den chinesischen Markt gesetzt wurden, gingen nicht auf. Es gibt rund 80 einheimische Produzenten und die Regierung arbeitet im Hintergrund an einer staatlich gelenkten Konsolidierung. Gleichzeitig werden große Anstrengungen auf die Qualitätsverbesserung gerichtet. Mit der diskreten Staatssteuerung im Rücken können die einheimischen Produzenten sich so Marktanteile auf Kosten der ausländischen Produzenten sichern.

Die ambitiösen Zielvorgaben der EU zur Umstellung auf fossilfreie Energie und der Atomausstieg Deutschlands sollten der Branche jedoch neue Möglichkeiten geben, wenn die gegenwärtige Durststrecke überstanden ist.


Zahlen & Fakten

Die EU hat sich im Jahr 2008 eine für die Mitgliedsländer gültige Klimaschutz- und Energiestrategie gegeben. Die Zauberformel heißt hier 20-20-20: Demnach sollen bis zum Jahr 2020 der Energieverbrauch wie auch der Treibhausgasausstoß gegenüber 1990 um jeweils mindestens 20 Prozent gesenkt und der Anteil der Erneuerbaren um 20 Prozent erhöht werden. Damit will die EU ihren Beitrag zur Begrenzung der Erderwärmung auf 2° Celsius leisten. Von Umweltverbänden wird die EU-Strategie als unzureichend bezeichnet. Sie fordern eine Erhöhung auf 30 Prozent, was die EU aber nur bei Vorliegen eines neuen internationalen Klimaschutzvertrages umsetzen möchte. Der lässt jedoch weiterhin auf sich warten. nd

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24.05.2012 | Katja Eichholz, David König und Olaf Präger

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