Mit dem Geschenk weiß der Mann nichts anzufangen. Richtig angesehen hatte er es sich nicht, nur versucht, eine elektrische Steckverbindung zu finden. Nichts. Nun will er es umtauschen.
Das ist der Ausgangspunkt für eins von mehreren Spielen beim Improvisationstheaterabend von »Turbine William wie die Birne« in der Märchenhütte. Bei dieser Umtauschszene weiß das Publikum mehr als der Schauspieler. Während seiner Abwesenheit hatte es vorgeschlagen, dass es sich bei dem Geschenk um ein Einhorn handeln soll. Der Komödiant muss das herausfinden. Seine die Verkäuferin spielende Partnerin weiß Bescheid, darf es aber nicht verraten. Tausch mal um, was du nicht kennst. Stochern im Nebel sorgt für Vergnügen. Aber der Schauspieler ist auf Draht und »entlarvt« sein Geschenk.
Improvisieren, sagen die Schauspieler, muss eigentlich jeder täglich in seinem Leben. Was klappt schon so, wie man sich das vorgestellt hat? Also muss man sich etwas einfallen lassen. Doch ist diese Gabe mehr oder weniger gut beim Einzelnen ausgeprägt. Deshalb werden die Schauspieler für die Fähigkeit bewundert, aus jeder Situation das Beste herauszuholen.
Bis Ende Februar immer montags ist die Impro-Truppe in der Märchenhütte im Monbijoupark zu erleben. Vor Jahren schon zweigte sie sich vom vor allem Shakespeare verschriebenen Hexenkessel-Hoftheater-Stamm ab. Zum Birnen-Kern von zehn Spielern gesellten sich weitere professionelle Mimen.
Nach Stichworten des Publikums werden Geschichten erfunden und mit Finesse aufgeführt. Dabei kann es passieren, dass zwar jeder seine Märchenrolle spielt, aber die des anderen sprechen muss. Michael Schwager ist an diesem Abend der Spielleiter und verlangt viel von Martina Pietsch, Kathleen Gallego-Zapata und Thomas Kornmann. Aber sie sind bestens trainiert.
Zum Jahresende kürte die Improliga Berlin ihren Sieger. Turbine William errang nach dem Kopf-an-Kopf-Spielen mit dem Improtheater Paternoster den zweiten Platz. Fünf Improteams waren angetreten. Seit Oktober wurde gegeneinander gespielt. Das nächste Qualifikationsturnier wird im Frühherbst dieses Jahres ausgetragen. Es kann sich niemand auf seinen Lorbeeren ausruhen.
Ist auch nicht vorgesehen, denn die »Birne« hat zu allen Jahreszeiten noch 13 andere Formate anzubieten.
Im Kreuzberger Salon Roderich gibt es jeden zweiten Samstag im Monat das Programm »Nachbarn«. Beim »Birnoutsyndrom« im Grünen Salon der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Mitte nehmen die Schauspieler mit Hilfe des Publikums satirisch das aktuelle Berliner Leben aufs Korn (26.1., 20 Uhr). Impro-Live-Krimis gibt’s regelmäßig in der Krimibuchhandlung »Totsicher« in Prenzlauer Berg (27.3., 20 Uhr).
Zu weiteren Programmen kann man sich die »Birne« ins Haus holen - für Geburtstags-, Familien- oder Firmenfeiern. Da wissen alle, woran sie sind. Anders geht es beim sogenannten versteckten Theater zu. Veranstalter von Seminaren und Konferenzen schleusen Schauspieler ein, die sach- und fachbezogen mitarbeiten. Zu diesem »Theater aus der Mitte« versprechen die Akteure messerscharfe Analysen und ein Erlebnis, das man so schnell nicht vergisst.
Montags, 19.30 Uhr, Märchenhütte, Monbijoupark
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
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