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Historiker bei der Theaterprobe
Foto: nd/Camay Sungu
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Auf dem Wannsee zieht träge ein Touristenschiff vorüber, während in der Gedenkstätte am Ufer 15 Männer zusammensitzen. »... konnte bis zum heutigen Tage der Großteil der männlichen Juden Serbiens im Rahmen der Partisanenbekämpfung liquidiert werden«, dröhnt Martin Luther, Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt, zufrieden in die Runde. »Jetzt warten dort nur noch Frauen und Kinder auf ihre Evakuierung nach Osten.«
Tillman Müller-Kuckelberg, der 36-jährige Historiker, der den NS-Mann im Dokumentar-Theater-Projekt »Die Wannsee-Konferenz« spielt, fügt hinzu, dass von April bis Juni 1942 etwa 6500 jüdische Frauen, Kinder und Alte bei Belgrad in einem Gaswagen umkamen. Das Theaterprojekt, das am Sonntag am Originalschauplatz im Berliner Haus der Wannsee-Konferenz Premiere hat, beschränkt sich nicht auf den 20. Januar 1942. Das Protokoll der historischen Sitzung dient nur als Ausgangspunkt für eine Auseinandersetzung, von der man nicht sagen kann, ob sie eher künstlerisch oder wissenschaftlich ist. 15 Historiker blicken auf die 90 Minuten an einem Dienstag vor 70 Jahren, in denen 15 Menschen den Tod von 11 Millionen Juden erörterten.
An einer Nachinszenierung haben sie kein Interesse, Uniformen gibt es nicht, die Konferenzsituation wird nur angedeutet. Für Christian Tietz, den künstlerischen Leiter des Projekts, stand von Anfang an fest, dass er dieses sensible Thema anders angehen wolle. »Wir wollen eine Annäherung und zusätzliche Informationen bieten, aber wir behaupten nicht: So ist es gewesen!«
Stattdessen wird mit unterschiedlichen Ebenen gearbeitet. Das, was am Wannsee besprochen wurde, verknüpfen die Historiker mit Zitaten aus Briefen, Reden und anderen Quellen von 1920 bis 1943. Zusätzlich haben sie selbst Kommentare geschrieben - dem Probenbeginn im Dezember ging ein halbes Jahr Recherche voraus.
Für den Zuschauer ist das Spiel mit den Ebenen schwer durchschaubar. Daher bekommt er den Text samt Quellenangaben als Begleitheft. Aber man muss bei der Aufführung gar nicht alles zuordnen können. Während von »Parallelisierung der Linienführung« und »Lenkung von Auswanderungsströmen« geredet wird, bekommt der Zuschauer ein Gefühl für die Distanz, die derartige Sprachformalia zu jeglichen Emotionen schaffen.
Manchmal wird das Grauen der Situation trotzdem deutlich. Draußen schüttet die Wintersonne warmes Licht in die Bäume, drinnen hört man Sätze wie: »Wenn die Judensippschaft in Europa den Krieg überleben würde, wir aber unser bestes Blut für die Erhaltung Europas geopfert hätten, dann würde dieser Krieg doch nur ein Teilerfolg sein.« In solchen Momenten schaudert man - und das ganz ohne dramatische Inszenierung.
Finanziert wurde das Stück unter anderem durch die Rosa-Luxemburg-Stiftung und den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Die fünf Aufführungen, die bis zum 29. Januar stattfinden, sind ausverkauft.
Sie ist vollständig öffentlich zu dokumentieren. Alles andere ist Afferei
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