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Von Marina Mai
20.01.2012

Räucherkerzen am Ahnenaltar

Vietnamesen zwischen Weihnachten und Tetfest

Tetfest? Anna Duong weiß noch nicht, was das ist. Immerhin liegt das letzte Tetfest schon ein Jahr zurück, viel Zeit im Leben der neunjährigen Vietnamesin. Dass nach dem traditionellen Mondkalender am Montag in China und Vietnam ein neues Jahr beginnt, weiß das Mädchen noch nicht. Für ihre Eltern ist das Tetfest das wichtigste Fest im ganzen Jahr und ungefähr so wichtig, als würden Weihnachten, Silvester und die Geburtstage aller Familienangehörigen auf einen Tag fallen.

13 000 Vietnamesen und 5500 Chinesen leben in Berlin und werden in der nächsten Woche feiern. Aber durch viele vietnamesische Familien in Berlin geht ein kultureller Riss. Die Eltern wurden in Vietnam sozialisiert, ehren die Traditionen und sind oft auch schlecht in die deutsche Gesellschaft integriert. Viele hier geborene Kinder wie Anna Duong können mit den Traditionen der Elterngeneration nicht viel anfangen. Dazu trägt bei, dass die meisten Eltern ihr Geld in kleinen Läden verdienen, die bis in den späten Abend und auch an Samstagen geöffnet haben. Viel Zeit für die Kinder bleibt da nicht.

Für Anna war Weihnachten das wichtigste Fest. »Ich habe im Hort ein Adventsgesteck gebastelt. Das stand auf unserem Wohnzimmertisch und es hat immer eine Kerze gebrannt. Das war eine schöne Atmosphäre«, erinnert sich die Neunjährige. Und natürlich gab es Geschenke und eine kleine Feier im Familienkreis. Weihnachten feiert man in Vietnam zwar nicht, aber hier geborene vietnamesische Kinder fordern das bei ihren Eltern ein, und die feiern oft gern mit.

Zum Tetfest werden Räucherkerzen am Ahnenaltar brennen. Auch der steht im Wohnzimmer, im obersten Fach eines Regales. Darauf: Ein Foto von Annas verstorbenem Großvater, den sie nie kennengelernt hatte, eine Buddhafigur, der Becher für Räucherstäbchen und eine Schale mit fünf verschiedenen Früchten. Am Montag zum Tetfest kommt ein gekochtes Huhn hinzu. Es wird mit Kopf und Krallen neben den Früchteteller gelegt. Bis die Räucherkerzen abgebrannt sind, dürfen Anna und ihre Eltern das Essen nicht anrühren. Der Weihrauch soll es den toten Ahnen bringen, denn auch die sollen zum Fest was zu essen haben. Erst nach Abbrennen der Räucherstäbchen beginnt der Festtagsschmaus für die Lebenden. Der Brauch geht auf vorbuddhistische Naturreligionen zurück.

Anders als zu Weihnachten bleibt aber Annas Familie nicht viel Zeit zum Feiern. Lediglich am »Silvester«tag, dem Sonntag, hat sie schulfrei. Die anderen drei Feiertage sind ganz normale Schultage für sie. Und ganz normale Arbeitstage für die Eltern, die es sich nicht leisten können, ihren Laden länger zu schließen. Ja, ein paar Stunden eher wird er am Abend schließen, sagt Annas Vater. Denn sonst bliebe keine Zeit, mit der Familie zusammenzusitzen und die Verwandten in Vietnam anzurufen, um ihnen alles Gute im Neuen Jahr zu wünschen. Das neue Jahr ist das Jahr des Drachens. Der fernöstlichen Mythologie zufolge gilt der Drachen als freundlicher Glücksbringer und steht für Macht, Aufbruch und Reichtum.

Auch vietnamesische Vereine feiern gemeinsam Tetfest. Mitfeiern können Leser gern am 28.1. ab 16 Uhr bei der Vereinigung der Vietnamesen in Berlin in der Paul-und-Charlotte-Kniese-Schule in Lichtenberg (Info unter 54 11 177).

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