Von Klaus Teßmann
20.01.2012

Zurück in die Arbeitswelt

BALL e.V. engagiert sich in der Marzahn-Hellersdorfer Stadtteilarbeit

Der Verein ist ein Kind der Wendezeit. Als Anfang der 90er Jahre immer mehr Menschen arbeitslos wurden, gründete sich BALL e.V. am 21. Januar 1992. Der Name war und ist gleichzeitig Programm, denn der Verein bietet Betreuung arbeitsloser Leute und Lebenshilfe (B A L L). Vor allem in Hohenschönhausen und Marzahn-Hellersdorf war der Verein unterwegs. Treffpunkte für Frauen und Kinder wurden ins Leben gerufen, Schülerklubs an den Grundschulen gegründet und Seniorenklubs aufgebaut.

Gründungsmitglied Dr. Ines Scheibe sagte: »Unser Motto war von Anfang an, sich selbst helfen, in dem man anderen hilft.« Es gab auch einen Versuch, das Angebot auf andere Bezirke auszudehnen, doch der scheiterte, vor allem, weil dort inzwischen ähnliche Vereine aktiv waren.

In den vergangenen 20 Jahren wurden Arbeitsplätze im zweiten Arbeitsmarkt aufgebaut, Beratungsstellen für Arbeitslose, Alleinstehende und Senioren eingerichtet. Zur Bilanz des Vereins gehört damit auch, dass rund 1000 Menschen wieder einen festen Arbeitsplatz gefunden haben. Höhepunkt für den Verein waren die 90er Jahre. In den vergangenen zehn Jahren machten sich die Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt für BALL e.V. bemerkbar. Es gibt weniger Arbeitslose und damit werden auch weniger Projekte vom Arbeitsamt bewilligt. »In den vergangenen Jahren haben wir neue Schwerpunkte gesetzt«, betont Ines Scheibe, »wir arbeiten jetzt vorwiegend im soziokulturellen Bereich.« Dazu gehören sowohl das Schloss Biesdorf als Nachbarschaftszentrum als auch das Haus »Südspitze« in der Marzahner Marchwitzastraße, in Hohenschönhausen ist es der »Kiezklub Magnet«. »Nach wie vor wollen wir Menschen helfen, die arbeiten wollen«, betont Geschäftsführer Frank Holzmann. Aber der Verein hat auch festgestellt, dass sich vor allem für die Langzeitarbeitslosen die Situation verändert hat. »Durch Hartz IV leben die Menschen von der Hand in den Mund, ihre Lebensleistungen sind aufgebraucht.« Viele Menschen haben sich mit dieser Situation abgefunden und haben es aufgegeben, nach neuer Arbeit zu suchen.

Bei der Arbeit des Vereins macht sich nun bemerkbar, dass für die Projekte kaum noch Sozialpädagogen zur Verfügung stehen. Die werden aber dringend benötigt, um Langzeitarbeitslose wieder zu motivieren. »Viele Arbeitslose wollen sich in die Gesellschaft einbringen, wollen beschäftigt sein«, betont Holzmann. Für ihn ist die Betreuung von Arbeitslosen kein Selbstzweck. »Wir wollen uns daran messen lassen, für Arbeitslose eine sinnerfüllte Tätigkeit zu schaffen.«

BALL e.V. sieht in der Gestaltung der Kieze eine neue Herausforderung und hat neue Partner gefunden. »Wir finden zunehmend Unterstützung bei den Wohnungsunternehmen«, berichtet Holzmann. Auch die Vermieter haben ein Interesse daran, dass die Kieze gestaltet werden und dass es Treffpunkte und Beratungsangebote für ihre Mieter im Wohnumfeld gibt. »In den Nachbarschaftszentren werden viele Mithelfer benötigt«, meint Holzmann. »Wir wollen die Möglichkeiten schaffen, damit die Einwohner etwas im Kiez verändern können.«

Frank Holzmann ist der Meinung, dass der Begriff Arbeit »in der Gesellschaft neu definiert werden muss.« In jedem Menschen steckt ein Potential, die Gesellschaft muss dafür sorgen, dass Menschen wieder arbeiten können. Dazu gehöre auch die ehrenamtliche Arbeit, ohne die in der Gesellschaft vieles nicht mehr funktionieren würde.

Am 21. Januar begeht BALL e.V. sein 20. Jubiläum. Weitere Informationen: www.ball-ev-berlin.de, Marchwitzastraße 24-26, 12681 Berlin, Telefon: (030) 54 98 91-0

Werbung in eigener Sache

Artikel weiterempfehlen und ausdrucken