Sprungmarken: Inhalt, Navigation.
Suchen auf neues-deutschland.de:

Erweiterte Suche

Massaker und Angriffe

Kommentar von Uwe Sattler

Recep Tayyip Erdogan ist bekannt für starke Worte. Ein »Massaker an der Meinungsfreiheit« sei das französische Völkermordgesetz, polterte der türkische Premier am Dienstag, Ausdruck von Rassismus und Feindlichkeit gegenüber seinem Land. »Sanktionen« gegen Paris behält sich der Regierungschef vor und seine militanten Anhänger drohen mit dem »Totalangriff gegen Frankreich« - vorerst dem digitalen.

Abgesehen davon, dass Ankara eine ähnlich dreiste Einmischung in innere Angelegenheiten wohl massiv zurückgewiesen hätte - Frankreich hat jedes Recht, das Gesetz gegen die Leugnung von Genoziden zu verabschieden. Es ist demokratisch auf den Weg gebracht, von demokratisch gewählten Gremien beschlossen worden. Es schützt das Andenken der Opfer und fügt keinem Volk und keinem Staat Schaden zu - auch nicht der heutigen Türkei. Dass Ankara trotzdem gereizt angibt, nicht eineinhalb Millionen, sondern »nur« 200 000 Armenier seien Pogromen und Deportationen im Osmanischen Reich zum Opfer gefallen, ist kein Argument gegen das Gesetz, sondern der blanke Zynismus.

Der Beigeschmack am Völkermordgesetz hat andere Gründe. Denn mit der Aufarbeitung der eigenen Feldzüge, wie in Indochina oder Algerien, tut sich Frankreich nach wie vor schwer. Zudem hat es in Paris Tradition, mit Vorwürfen gegen Ankara innenpolitisch zu punkten, ob nun mit der kaum kaschierten Ablehnung eines türkischen EU-Beitritts oder der Armenier-Frage. In Frankreich läuft der Wahlkampf, und Präsident Nicolas Sarkozy kann etwas Ablenkung von innenpolitischen Problemen gut gebrauchen. Wie übrigens auch Recep Tayyip Erdogan.

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Kommentare zu diesem Artikel

Kommentar schreiben (Login erforderlich)
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.

Ihre Meinung zu diesem Artikel

Frisch gebloggt
24.05.2012 | Katja Eichholz, David König und Olaf Präger

Änderungen in der nd-Community

Alle Blogs

Facebook
Twitter
16. - 17. Juni 2012

nd-Pressefest / Fest der Linken

Wir laden ein zu Musik, regen Markttreiben, zu Polittalks, Lesungen, Diskussionen...
Kristina Schröder Bildungsabo

Um Mithilfe wird gebeten

Bundesministerin Kristina Schröder warnt vor dem linksextremen »nd«. Lesen Sie selbst!
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.

Werbung:

Werbung:

Sprungmarken: Seitenanfang.