nd: 1995 gab es die letzte EM-Medaille für deutsche Wasserballer, ihr Team von 2012 spielt völlig entfesselt. Was ist da los?
Stamm: Wir haben im Vorfeld schon gute Spiele hingelegt. Und wir wussten, dass so ein Sieg wie der gegen Titelverteidiger Kroatien drin ist. Dieses Wissen dann umzusetzen, ist allerdings noch ein zweiter Schritt. Die Mannschaft hat bei dieser EM gemerkt, dass sie in der Lage ist, auch gegen Gegner zu gewinnen, die vermeintlich übermächtig sind.
Geistert denn schon der Gedanke an eine EM-Medaille durch die Köpfe?
Nein. Bei uns ist alles auf London 2012 ausgerichtet. Der deutsche Sport ist insgesamt so auf Olympia fixiert, dass unsere EM-Aufgabe nur lauten konnte, hier das Qualifikationsturnier im April in Edmonton zu erreichen. Das ist nun geschafft. In Edmonton spielen wir unter zwölf Teams um vier Plätze. Es ist unsere letzte Chance auf Olympia, 2004 und 2008 haben wir sie jeweils genutzt. Jetzt haben wir bei der EM nichts mehr zu verlieren. Zumal wir nun auch für die WM 2013 und die EM 2014 qualifiziert sind. Die nächsten zwei Jahr spielen wir nun im Konzert der Großen mit! Unsere EM-Leistung ist mit »Sensation« eigentlich noch vorsichtig bewertet!
Wie reagiert das Publikum in Eindhoven auf Ihr Team?
Hier ist regelmäßig ausverkauftes Haus, die Holländer sind wasserballbegeistert.
Sie selbst waren 1981 und 1989 Europameister. Erinnert Sie die heutige Mannschaft so ein bisschen an Ihre Truppe damals?
Ach, das ist doch mittlerweile eine andere Sportart als in den 80ern. Sagen wir mal so: Die Jungs sind toll gereift - aus Verlierern, die in der Jugend immer verloren haben, wurden junge Leute, die merken, dass man als starkes Team eben doch gewinnen kann.
Was ist so anders im Wasserball von 2012?
Damals ist es weniger körperbetont gewesen, doch von der Leistungsfähigkeit sind beide Teams natürlich überhaupt nicht zu vergleichen. Man braucht bei Mannschaftssportarten wie Handball oder Wasserball unbedingt hochklassige Linkshänder, die hatten wir zu meinen aktiven Zeiten. Mein einziger Linkshänder heute ist der Teammanager, aber der spielt nicht. Dementsprechend habe ich da schon ein großes Defizit.
Linkshänder kann man schwer auf die Schnelle heranziehen ...
Eben nicht. Ich sage jetzt immer schon zu meinen Spielern, wenn da einer einen Sohn gezeugt hat: Tut mir einen Gefallen: Versucht, dem Kind den Löffel in die linke Hand zu legen! Noch hat es keiner geschafft. Aber ernsthaft: Wir fördern im Nachwuchs gezielt Linkshänder, aber mangels Masse kommt keiner oben an. Wir haben in den 80er Jahren einfach großes Glück gehabt, dass wir solche Weltklasse-Linkshänder hatten.
Aktuelle Ausgabe: 24.05.2012
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