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Stereotyper Jubelschrei

Sarah Liebigt kommentiert die Berliner Kinderarmut

Schöne Studien können nur allzu leicht schönen Schein herstellen. Nur weil die Zahl der Kinder in Hartz-IV-Haushalten sinkt, heißt das nicht, dass es automatisch weniger bedürftige Kinder gibt. Denn das heißt erst mal nur, dass es den Jobcentern gelungen ist, ihre Eltern in Beschäftigung zu bringen. Zu groß ist jedoch der Anteil von Menschen, die zwar kein ALG II mehr bekommen, aber sich stattdessen mit mehreren Minijobs über Wasser halten und nur knapp über der Leistungsgrenze leben.

125 000 Menschen versorgt allein die Berliner Tafel monatlich - ein Drittel davon sind Kinder. Initiativen beklagen, es kämen immer mehr Kinder, bei denen zu Hause jegliche Struktur fehle und das Selbstbewusstsein der Eltern gebrochen sei. Überrascht das? Wer (Achtung, stereotypisiertes Beispiel) früh morgens Zeitung austrägt, mittags den Tellerwäscher gibt und abends Putzen geht - und zwischendrin trotzdem zum Amt rennen und Zuschüsse beantragen muss, weil das Geld nicht reicht, der hat vermutlich wenig Zeit, sich um Kinder und Haushalt zu kümmern. Allein ein solches Beispiel reicht aus als Antwort auf einen statistischen Jubelschrei.

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24.05.2012 | Katja Eichholz, David König und Olaf Präger

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