Von Fabian Lambeck
27.01.2012

Kinderarmut trotz statistischer Tricks konstant

Bundesregierung schummelt

Die Kinderarmut in Deutschland geht zurück, jubelte am Donnerstag die »Süddeutsche Zeitung«. Das Blatt verwies auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit für den Zeitraum von September 2006 bis September 2011. Demnach soll die Zahl der unter 15-Jährigen Hartz-IV-Bezieher von 1,9 Millionen auf knapp 1,64 Millionen gesunken sein. Dies bedeutete einen Rückgang um 257 000 Personen. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) freute sich: »Die Kinderarmut in Deutschland sinkt, das ist ein gutes Zeichen.«

Die Zahl der armen Kinder ist also um 14 Prozent gesunken: eine tolle Erfolgsgeschichte. Nur leider stimmt sie nicht. »Hier wurde wohlwollend getrickst«, betonte Gwendolyn Stilling vom Paritätischen Gesamtverband gegenüber »nd«. »Der Anteil der Hartz-IV-Kinder hat sich kaum verändert.« Er habe sich von 15 Prozent im Jahre 2005 auf nun 14,9 Prozent reduziert. Was sich hingegen verändert hätte, so Stilling, sei die Zahl der Kinder. Seit 2006 gibt es etwa 750 000 Kinder unter 15 Jahren weniger. Der eigentliche Grund für den Rückgang ist der demografische Wandel. Wo weniger Kinder geboren werden, müssen auch weniger Eltern für ihre Sprösslinge Hartz IV beantragen. Zudem machte Stilling auf ein weiteres Problem aufmerksam. »Nur weil die Kinder kein Hartz IV mehr beziehen, heißt das nicht, dass sie der Armut entkommen sind.« Stilling erinnerte an die 270 000 Familien, die Kinderzuschuss erhalten, damit sie keine Hartz-IV-Leistungen beantragen müssten. Auch von den etwa 7,3 Millionen Niedriglöhnern dürften viele Kinder haben.

Wachsen die Kleinsten bei nur einem Elternteil auf, ist das Armutsrisiko besonders hoch: Im August 2011 bezogen mehr als 35 Prozent aller Alleinerziehenden mit einem Kind ALG II. Die Quote steigt mit der Kinderzahl: Wer drei oder mehr allein betreuen musste, war mit fast 70-prozentiger Wahrscheinlichkeit Hartz-IV-Empfänger.

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