Ist Ihnen in den jüngst vergangenen Jahren eine Florfliege begegnet? Kaum, oder? Sie ist selten geworden. Ich weiß jedoch ziemlich genau, dass es bei mir in den letzten zwei Jahren nur eine gewesen ist.
Florartig sind die Flügel dieser Fliege. Ebenso treffend ist ihr zweiter Name: Goldauge. Diese Augen sind nicht nur relativ groß, sondern ungewöhnlich metallisch grün glänzend. Von bescheidenerem Grün ist der ganze Körper, jedenfalls im Sommer, nicht aber ganzjährig. Unsere Florfliegen zeichnet nämlich die merkwürdige Sitte aus, sich im Herbst zu entfärben. Nachdem sie monatelang blassgelb und unansehnlich waren, tauchen sie im Frühjahr wieder in ihrem grünen Kleid auf.
Trotz ihrer Zartheit überstehen sie an geschützter Stelle, oft unter loser Borke, den Winter. Wobei sie sich in der Vergangenheit oft in größerer Anzahl zusammenfanden und hoffentlich in Zukunft auch wieder zusammenfinden werden.
Florfliegen gibt es in Europa in über 20 Arten. Allein in Mitteleuropa kennt man wenigstens vier mit Oszillographen aufgezeichnete »Gesangstypen«. Balzend geben die Männchen durch Vibration substratgebundene Signale ab, die Weibchen und wohl auch Konkurrenten mit Empfangsorganen an den Unterschenkeln wahrnehmen. Daneben gibt es Gehörorgane an den Flügelwurzeln, die als Fledermausdetektoren gelten.
Oft findet man Florfliegeneier in der Nähe von Blattlauskolonien. Sie sitzen auf Stielen, die dadurch entstehen, dass die Mutter ein schnell erhärtendes Sekret auf Blatt oder Stängel auftupft und dann den Hinterleib aufwärts schwenkt, um in etwa fünf Millimetern das Ei zu deponieren. Ich habe mir einst den Kopf darüber zerbrochen, ob die Larven es fertig bringen, an dem äußerst dünnen Stiel hinunterzuklettern, oder ob sie sich einfach fallen lassen. Und ich sah zu meinem Erstaunen, dass sie nicht nur den vermeintlich so schwierigen Abstieg schafften, sondern dass ein solcher Winzling gelegentlich kurz nach glücklicher Landung sogar einen benachbarten Stiel erkletterte. Ich bin mir nicht sicher, ob das auch dazu führte, dass dort ein »Geschwister-Ei« konsumiert wurde. Man kann es vermuten, analog zum Verhalten frisch geschlüpfter Marienkäferlarven, die regelmäßig verspätete Gelegegenossen vertilgen.
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Aktuelle Ausgabe: 24.05.2012
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