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Von Max Böhnel, New York 28.01.2012 / Wirtschaft

Ein Finanzinvestor will ins Weiße Haus

Mitt Romney möchte die USA wie ein Unternehmen ausschlachten - das kommt nicht mehr gut an

Seine Vergangenheit als Mitgründer einer Investmentgesellschaft hat den Republikaner-Kandidaten Mitt Romney eingeholt.

In seiner Eigenschaft als Manager der Beteiligungsgesellschaft Bain Capital habe er »mehr als 100 000 Jobs geschaffen«, behauptet Mitt Romney, seit er sich als schlagkräftigster und erfahrenster Kandidat der Republikaner in den kommenden Wahlen gegen US-Präsident Barack Obama zu inszenieren versucht. Nach Romneys Vorwahlsiegen in Iowa und New Hampshire zogen seine innerparteilichen Widersacher die Notbremse. Er sei wirtschaftlich nicht nur nicht kompetent, heißt es, sondern noch dazu ein »Jobkiller«, der wie ein »Geier« Firmen geplündert, einfache Menschen auf die Straße gesetzt und und sich damit gleichzeitig zum Multimillionär gemacht habe.

Romney gehörte 1984 zu den Mitgründern der Private-Equity-Firma Bain Capital. Der Finanzinvestor greift Firmen heraus, die als schwächer als die Konkurrenz und unterbewertet gelten, und kauft sie zum Zwecke der »Sanierung« mit geliehenem Geld billig auf - was oft Lohnkürzungen, längere Arbeitszeit, Entlassungen und weitere Rosskuren bedeutet. Danach wird die Firma mit riesigem Profit wieder abgestoßen. Romneys Vermögen, das er aus den entsprechenden Transaktionen machte, wird auf 250 Millionen Dollar geschätzt. Im Schnitt soll Bain jährlich 110 Prozent an Rendite eingefahren haben.

Entsprechende Informationen wurden von Romney-Gegnern als Politwerbung verwendet. Vor allem Unterstützergruppen von Newt Gingrich, seines Zeichens ebenso marktorientiert und rechts außen wie Romney, ließen vor den Vorwahlen in South Carolina solche Enthüllungen kursieren. Tagelang liefen im Fernsehen erschütternde Zeugenaussagen von Romney-Opfern über den Äther. Die Ausschnitte sind Teil des halbstündigen Dokumentarfilms »King of Bain«, in dem der »gute« Kapitalismus gegen den Kapitalismus der Banker gestellt wird. In dem Film ist Romney in einem Interview zu sehen, in dem er sagt, er befürworte die »kreative Zerstörung«. Sie befördere »die Produktivität, und in diesem Prozess wird es viele Leute geben, die deshalb darunter leiden werden«. Die Veröffentlichung verfehlte offenbar ihre Wirkung nicht: In South Carolina unterlag Romney deutlich gegen Gingrich.

Es gibt auch Kritik von links an Romney. »Gute Wirtschaftspolitik hat nichts mit der Maximierung von Unternehmensprofiten zu tun«, schrieb US-Ökonom Paul Krugman in der »New York Times«. »Wir werden keine bessere Politik bekommen, wenn der Mann, der 2012 im Weißen Haus sitzt, seinen Job darin sieht, die Planung einer fremdfinanzierten Übernahme von America Inc. durchzuführen.«

Inzwischen stellte Romney unter dem Druck seiner Rivalen seinen Steuerbescheid von 2010 ins Netz. Demnach zahlte er auf Einnahmen von fast 22 Millionen Dollar einen Steuersatz von lediglich 13,9 Prozent. Da im Wahlkampf das Thema soziale Gerechtigkeit immer wichtiger wird, dürfte dies schlecht ankommen: Normale Lohnempfänger zahlen 35 Prozent Steuern.


Lexikon

Bain Capital mit Sitz in Boston ist hauptsächlich in den USA aktiv. Zu den bekanntesten Beteiligungen zählen aktuell die Spielwarenkette Toys R Us und Burger King. In Deutschland war man zeitweilig am Sportartikelhersteller Jack Wolfskin und ist aktuell an der die Bavaria Yachtbau beteiligt. 400 Profibanker verwalten rund 60 Milliarden Dollar an Investitionskapital. Mit zehn Fonds hat man mehr als 250 Investments getätigt. nd

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

  • Präsidentenwahlen in den USA

    Am 3. Januar 2012 beginnen die US-Republikaner die Vorwahlen. In einem fünfmonatigen Wahlmarathon suchen sie einen Präsidentschaftskandidaten und Herausforderer von Präsident Barack Obama. Die Präsidentschaftswahlen finden am 6. November 2012 statt. Mehr

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24.05.2012 | Katja Eichholz, David König und Olaf Präger

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