Es waren wohl heimatliche Gefühle im Spiel, als Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin den Förderpreis Ökologischer Landbau 2012 vergab. Immerhin kommen zwei der drei Preisträger aus Bayern. Dass es Biobauern sind, wird sie wohl weniger berühren, denn noch immer ist von einer Systemwende zu einer nachhaltigen, ökologischen Landwirtschaft nichts zu spüren. Nur wenige Minuten vor der Preisvergabe endete eine Gesprächsrunde, bei der Versäumnisse der EU-Agrarreform angesprochen wurden. Als der Geschäftsführer des Bundes Ökologischer Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) Alexander Gerber den Vertreter von Aigners Ministerium, Staatssekretär Robert Kloos, bat, ihm doch eine letzte Frage zu beantworten, verließ dieser fluchtartig den Saal.
Wenig später bei der Preisverleihung wieder eitel Freude. Die Jury hatte sich diesmal für eine ranglose Preisvergabe entschieden. Als Erste wurde die Demeter-Gärtnerei Obergrashof Dachau aufs Podium gerufen. Für sie, so die Jury, hat das Wirtschaften in Kreisläufen als Prinzip des biologischen Landbaus oberste Priorität. Leitlinie ihres Denkens und Handelns sei Nachhaltigkeit im ökologischen, sozialen und ökonomischen Bereich, Vielfalt im Fruchtanbau wie auch im Feldrandbereich. Durch die Haltung von Rindern und Milchschafen wird Dünger für den Gemüseanbau gewonnen. Ein weiterer Preis᠆träger ist das Gut Herrmannsdorf in Glonn (ebenfalls Bayern), das neue Wege der Kundenbindung und Finanzierung geht (Kunden bekommen für Darlehen Warengutscheine) und in der Geflügelzucht eine tierfreundliche Alternative zur Käfighaltung bietet. Schließlich wurde der Betrieb »De Fischer ut Grambek« aus Schleswig Holstein für artgerechte Haltung und Fütterung von Fischen geehrt, wobei die Fischzucht mit Entenhaltung kombiniert ist und so Fischfutter eingespart wird. Vor Kormoranen schützt der Betrieb die Teiche mit gespannten Netzen.
Aktuelle Ausgabe: 26.05.2012
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