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Von Ian King, London 02.02.2012 / Panorama

Ein Segelschiff für die Queen?

Was braucht Britannien am dringendsten? Eine riesige Jacht für die reichste Frau der Welt

Britannien ist zurzeit ein armes Land. Die Rezession steht vor der Tür, das Haushaltsdefizit, das laut Regierungsschätzungen bis zum nächsten Wahltag gestopft sein sollte, verschwindet erst zwei Jahre später - wenn überhaupt. 8,3 Prozent Arbeitslose, 2,64 Millionen traurige Schicksale, 22 Prozent der unter 25-Jährigen ohne Job, ohne Ausbildung, ohne Hoffnung.

Aber wir schreiben das Jahr der guten Nachrichten. Die Londoner Olympiade wird alle Herzen höher schlagen lassen, sofern sie Fans von Dressurreitern oder halb nackten Volleyballerinnen sind. Und für Sportmuffel gibt es das Jubiläum der Thronbesteigung von Elizabeth Windsor, die sich am 6. Februar zum 60. Mal jährt. Die Queen als Person genießt - im Gegensatz zu gewissen gewählten Staatsoberhäuptern - bei der Mehrheit ihrer Landsleute einen untadeligen Ruf für Pflichterfüllung und als Expertin für Pferderennen.

Das ließ die konservative Boulevardzeitung »Daily Mail« nicht ruhen. Für Elizabeth soll ein Geschenk her - eine Jacht, ein ungeheures Segelschiff, das vermutlich als Symbol der Modernität der königlichen Familie dienen soll. Der Vorschlag rief den Tory-Bildungsminister Michael Gove auf den Plan. Seiner Ansicht nach sollten die Steuerzahler für die 60 Millionen Pfund teure Barke aufkommen, das sind umgerechnet fast 73 Millionen Euro. Vergessen die Schüler ohne Bücher, verdrängt die Abschaffung des Schüler-BAföGs und die Verdreifachung der Studiengebühren. Die Briten sollten der reichsten Frau der Welt ein Boot schenken, denn ihr bisheriges Schiff Britannia wurde 1997 verschrottet.

Dumm ist Gove nicht: Der rechte Ideologe war klug genug, sich als Oppositionsabgeordneter im Spesenskandal durch vom Publikum subventionierte Möbelkäufe zu sanieren, ohne von Premier Cameron als Raffke gefeuert zu werden. Der rührige Labour-Abgeordnete Tom Watson tat den Schiffskauf sofort als Schnapsidee ab, doch das dürfte an Goves dicker Haut abgeperlt sein. Auch die Kritik des liberalen Koalitionspartners Nick Clegg brauchte er nicht ernst zu nehmen.

Aber Pechvogel Gove hatte die Rechnung ohne Premier David Cameron gemacht. Ein Regierungssprecher ließ verlauten, es sei zurzeit nicht opportun, die Öffentlichkeit zur Kasse zu bitten. Unter der Herrschaft des reichen Cameron findet sich jedoch immer ein Weg. Nicht die Steuerzahler allgemein, sondern gut betuchte Privatleute, Monarchistenfreunde unter den Industriellen, sollen für das Gefährt aufkommen. Denn sie haben Geld wie Heu. Wie wäre es also mit einer Vermögenssteuer? Fehlanzeige. Was werden die Selbstlosen für ihr Geld bekommen, einen Adelstitel? Werden die Wähler nach dem Schiffsbau die Unterhaltungskosten zu tragen haben? Dazu schweigt der Regierungssprecher. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Wozu das Ganze? Soll an Tage erinnert werden, als Britanniens Flotte die Wogen beherrschte? Nein, beim »Projekt Zukunftsschiff fürs 21. Jahrhundert« sollen 200 Jugendliche eine Ausbildung bekommen, vermutlich im Zukunftsberuf Segler. Und Geschäftstreffen sollen an Bord stattfinden.

Die »inspirierende Initiative genießt meine volle Unterstützung«, so Cameron. So bekommt die Queen ihr Schiff und Otto Normalsteuerzahler behält sein Geld. Alles in Butter. Die Rezession kommt, die Arbeitslosigkeit steigt, das Haushaltsdefizit dazu, der Sozialstaat verkümmert. Und David Cameron erinnert an die sterbende Mätresse des Franzosenkönigs Ludwig XV.: nach mir die Sintflut.

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2 Kommentare zu diesem Artikel

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  • NaJa, 02. Feb 2012 09:09

    Na und?

    Lassen Sie doch die Insela..........machen was sie wollen!
    Was juckt es uns, wenn diese Narren ihr Geld für ein Segelschiff verzocken.

    Viel wichtiger wäre es, wenn die Medien in Deutschland über das "British Elend" berichten würden. Sie sollten darstellen, wie England in den Ruin treibt. Wie England am Gängelband von Banken, Hedge-Fonds und ähnlichem hängt.

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  • Rotspoon, 02. Feb 2012 11:15

    Re: Na und?

    Genau!

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