Der Berliner und Brandenburger Wirtschaft geht es jetzt so gut wie nie, und die meisten Unternehmer erwarten, dass es in den kommenden Monaten sogar noch besser wird, wenngleich es weniger schnell aufwärts gehen soll als zuletzt. Das lässt sich dem gestern vorgelegten Konjunkturreport der Industrie- und Handelskammern (IHK) entnehmen. Die Kammern Berlin, Potsdam, Cottbus und Ostbrandenburg befragten im Dezember und Januar 1512 Firmen.
92 Prozent der Unternehmen schätzten ihre aktuelle Situation als gut oder zufriedenstellend ein. 23 Prozent rechnen damit, demnächst bessere Geschäfte zu machen, und nur 18 Prozent glauben, dass es ihnen schlechter gehen wird. Der Rest vermutet, dass sich nichts ändert, was bedeutet, es werde genauso gut laufen wie im vergangenen Jahr. Trotz Krise in Griechenland, Italien, Portugal und anderen EU-Staaten wird wahrscheinlich mehr exportiert.
Berlins IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Eder prognostizierte für die Hauptstadt ein Wirtschaftswachstum von knapp einem Prozent und meinte, 2013 werde das Wachstum bestimmt noch höher ausfallen. Draußen sei es kalt, aber »die Konjunktur ist heiß«, freute sich Eder.
Bloß elf Prozent der befragten 1512 Unternehmen wollen 2012 nicht investieren und nur zwölf Prozent wollen Mitarbeiter entlassen. Dagegen wollen 71 Prozent Geld in neue Produkte, größere Werkhallen oder moderne Maschinen stecken, 21 Prozent möchten dafür sogar mehr Mittel ausgeben als im vergangenen Jahr, und 22 Prozent der Firmen wollen zusätzliche Leute einstellen.
Ein deutlicher Unterschied zu Berlin besteht im Brandenburger Baugewerbe, erläuterte der Potsdamer IHK-Hauptgeschäftsführer René Kohl. Hier sind nur vier Prozent der Betriebe optimistisch gestimmt, während es in der Hauptstadt angesichts der dort steigenden Immobilienpreise fast ein Drittel ist.
Ostbrandenburgs IHK-Hauptgeschäftsführer Gundolf Schülke verwies darauf, dass die Arbeitslosenzahl in beiden Bundesländern 2011 bereits um 21 000 gesunken sei. Es werde 2012 noch mehr sozialversicherungspflichtige Beschäftigung und weniger Arbeitslosigkeit geben, prophezeite er. Jeder Jugendliche, der willens und fähig sei, werde eine Lehrstelle finden, insofern er nicht überzogene Berufswünsche hege. Zwar werden in Zukunft vermutlich weniger junge Menschen ausgebildet. Das liege jedoch nicht an mangelndem Interesse der Wirtschaft, sondern daran, dass es weniger Schulabgänger gebe, sagte Schülke. Die Angst vor Konkurrenz aus Osteuropa, die besonders auf dem Bau grassierte, hat sich als unbegründet erwiesen. 38 Prozent der Baufirmen befürchteten früher negative Auswirkungen der ab Mai 2011 geltenden Arbeitnehmerfreizügigkeit. Bestätigt sehen sich jetzt aber nur elf Prozent. Auch in den anderen Wirtschaftszweigen war die Furcht offenbar größer als notwendig.
Der Wunsch nach einer Länderehe hat bei den Unternehmen abgenommen. 54 Prozent der Befragten würden eine Fusion von Berlin und Brandenburg aber immer noch begrüßen. Sie versprechen sich davon weniger Bürokratie.
Aktuelle Ausgabe: 26.05.2012
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