09.02.2012
Fragwürdig

Kein Opel in Bochum ?

Michael Hermund über Drohungen der General-Motors-Führung / Der 51-Jährige ist Regionsvorsitzender der DGB-Region Ruhr-Mark

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nd: General Motors fuhr 2011 den höchsten Gewinn der Firmengeschichte ein, beklagte gestern aber »abscheuliche« Quartalsverluste bei seiner Tochter Opel. Gedroht wird mit der Schließung der Standorte Bochum und Ellesmere Port in England. Wie ernst muss man die Idee nehmen, die Produktion nach Südkorea zu verlagern?
Hermund: Das sind zunächst Drohgebärden, Betriebsrat und Gewerkschaften sollen weich gekocht werden. Die Bochumer Belegschaft hat jahrelang auf eigentlich vereinbarte Lohnerhöhungen verzichtet. Nun stehen sie zur Zahlung an. GM betreibt ein ganz fieses Spiel: Die Konzernführung droht mit Verlust des Arbeitsplatzes, wenn nicht weiterhin Verzicht geübt wird. Das ist ein Vertragsbruch!

nd: Ein Konzernsprecher sagt: GM verliere die Geduld und erwarte zur Rettung der beiden Standorte tiefe Einschnitte. Ist das angemessen?
Überhaupt nicht. Bis vor kurzem war Opel jene GM-Tochter, die Gewinne einfuhr, während der Konzern in Amerika pleite war und vom Staat mit Milliardenbeträgen gerettet werden musste. Nun hat sich das Verhältnis umgekehrt. Aber Milliardengewinne auf der einen Seite und Millionenverluste auf der anderen haben Ursachen. Einerseits ist die Produktpalette zu klein - das Opelmanagement versäumt es, mit neuen Produkten wie Elektroautos neue Käuferschichten zu erobern. Anderseits darf Opel im Rahmen der Konzernstrategie nur den europäischen Markt bedienen. Der ist aber zu eng.

Die Gewerkschaften machten in der Vergangenheit durchaus drastische Zugeständnisse, um noch größeren Arbeitsplatzabbau zu verhindern. Lohnt es sich eigentlich noch, brav zu sein?
Die Opelaner waren brav und sind es noch, aber nur, weil sie darauf vertrauen, dass Vereinbarungen eingehalten werden. Doch der Vertrags- ist ein Vertrauensbruch. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Belegschaft sich diesen Angriff gefallen lassen wird. Das wird Konsequenzen haben! Was genau zu tun ist, müssen aber die IG Metall, der Betriebsrat und die Vertrauensleute klären.

Oskar Lafontaine fordert mit Blick insbesondere auf Opel Bochum: Wenn Lohnverzicht, dann nur gegen eine Beteiligung am Betriebsvermögen - plus Belegschaftsabstimmungen bei existenziellen Fragen wie Massenentlassungen oder gar Betriebsschließungen. Wäre ein teilweises Belegschaftseigentum am Bochumer Werk in der jetzigen Situation hilfreich?
Ich fände Belegschaftseigentum gut - Demokratie im Betrieb ist schließlich eine uralte gewerkschaftliche Forderung. Es kann ein Weg sein, ein Unternehmen zu retten und zu stabilisieren. Belegschaftseigentum würde auch Motivation und Wohlstand der Mitarbeiter erhöhen. Aber die Entscheidungen fallen nicht an den Produktionsstätten, sondern in der Zentrale in Detroit. Es ergibt daher keinen Sinn, Belegschaftsmiteigentum isoliert bei Opel Deutschland oder gar nur am Standort Bochum einzuführen.

Demokratie muss im ganzen Konzern gelten, sonst stößt man schnell an Grenzen: Entscheidungen würden auf der nächsthöheren Ebene oder spätestens in Detroit einkassiert. Außerdem müssten die Eigentumsanteile der Mitarbeiter substanziell sein. Wenn die Belegschaft nur 3 Prozent des Eigentums hält, liegen schließlich 97 Prozent in anderen Händen.

Fragen: Marcus Meier