In der hereingebrochenen Käl- tewelle mit Kälteschock und Kälterekorden geraten Ereignisse in Vergessenheit, die gerade noch im Vordergrund standen. Dabei ist den Medien für ihren verantwortungsvollen Umgang mit dem Thema zu danken. Hatten Benzinpreise wie die derzeit herrschenden sonst zur Ausrufung der Benzinwut geführt, ist von einer Kältewut noch nicht die Rede, obwohl sie auf allgemeines Verständnis treffen dürfte. Die Benzinpreise hängen angeblich mit den Temperaturen zusammen; in der Wärme steigen sie, weil viel getankt wird, in der Kälte, weil keiner zum Tanken kommt.
Der Iran trifft uns mit der Ölverknappung an unserer empfindlichsten Stelle, wobei für uns spricht, dass unsere empfindlichste Stelle nicht mehr die Angst vor einem Atomschlag ist. Nein, wir können uns ungerechterweise als Kollateralopfer des Nahostkonflikts fühlen, an dem wir so was von unschuldig sind wie noch nie in unserer Geschichte an irgendetwas.
Desweiteren verzichten die Medien auf die Präsentation von prominenten Kältebetroffenen. Das ist keineswegs selbstverständlich, sogar Alzheimer ist mittlerweile boulevardfähig. Dies wird akzeptiert, weil es im Vergleich zu Fällen aus dem persönlichen Umfeld erleichtert. Das Große Promi-Alzheimer mit Jörg Pilawa dürfte sogar von Betroffenen und deren Familienmitgliedern als schöne Abwechslung empfunden werden.
Das große Promi-Frieren dagegen hätte den Zweck, die Talk-Sendungen mit Kälteexperten zu versorgen, die mit der Befragung zu ihren Empfindungen den gefühlten Temperaturen ein, wie es in der Medienbranche heißt, Gesicht geben.
Die aktuelle Kaltluft kommt aus Sibirien zu uns, das bedeutet, Putin unterstützt uns in unserem Kampf gegen die Klimaerwärmung. Zumindest würde es so dargestellt, wenn Gerhard Schröder noch was zu sagen hätte. Putin ist ein lupenreiner Klimaschützer, das wird uns der Gerd sicher noch eröffnen.
Aktuelle Ausgabe: 26.05.2012
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