Sprungmarken: Inhalt, Navigation.
Suchen auf neues-deutschland.de:

Erweiterte Suche

Parlament in Athen stimmt für Sparpaket

Weg frei für neue Hilfe

Athen/Berlin (dpa/nd) - Das griechische Parlament hat nach hitziger Debatte das umstrittene Sparpaket gebilligt und damit den Weg für ein weiteres Milliarden-Hilfspaket freigemacht. Eine Mehrheit der 300 Abgeordneten stimmte in der Nacht zum Montag für die von den internationalen Geldgebern erzwungenen Maßnahmen. Die Zustimmung aus Athen ist Voraussetzung dafür, dass die EU-Finanzminister am Mittwoch ein weiteres Hilfspaket in Höhe von 130 Milliarden Euro Athen bewilligen. Der parteilose Ministerpräsident Lucas Papademos warb vor den Abgeordneten eindringlich für die Zustimmung zum umstrittenen Sparpaket. Es sei eine »Entscheidung von historischer Bedeutung«, sagte Papademos in einer hitzig geführten Debatte.

Die geplanten Einschnitte sehen unter anderem kräftige Lohnkürzungen im Privatsektor sowie Entlassungen von 150 000 Staatsbediensteten bis 2015 vor. Am Freitag und Samstag hatten Gewerkschaften erneut mit Streiks darauf reagiert.

Am Sonntag waren aus Protest gegen die geplanten Lohnkürzungen und Massenentlassungen im Staatsapparat zehntausende Demonstranten friedlich gegen geplante Lohnkürzungen und Entlassungen auf die Straße gegangen. Allerdings eskalierte die Lage. Die Sitzung des griechischen Parlaments wurde von stundenlangen Ausschreitungen im Zentrum von Athen überschattet. Vermummte lieferten sich bis weit in die Nacht Straßenschlachten mit der Polizei. Mindestens 80 Menschen, darunter 30 Polizisten wurden verletzt. Mehrere Gebäude gingen in Flammen auf.

Papademos zeigte zugleich Verständnis für die Widerstände in der Gesellschaft gegen das Spardiktat der internationalen Geldgeber. »Die fehlende Anerkennung der Bemühungen der Griechen und die ständige Kritik einiger Partner erzeugt Empörung unter den Griechen.« Der parteilose Regierungschef kündigte ein neues Steuersystem an. »Der ganze Staat soll neu gegründet werden.«

Die Zeit drängte: Die Euro-Finanzminister wollen sich am Mittwoch (15.2.) erneut treffen, um das zweite, 130 Milliarden Euro umfassende Hilfspaket für Griechenland zu bestätigen. Es umfasst neue öffentliche Hilfen von 100 Milliarden Euro, dazu kommen 30 Milliarden Euro zusätzliche Garantien zur Absicherung des geplanten Schuldenschnitts. Dieser soll die griechische Schuldenlast um rund 100 Milliarden Euro verringern.

Das hoch verschuldete Land hängt bereits seit 2010 am internationalen Finanztropf. Die damals zugesagten Hilfskredite im Umfang von 110 Milliarden Euro reichen aber längst nicht mehr aus. Damals handelte es sich um bilaterale Vereinbarungen, das zweite Hilfspaket soll vom Euro-Rettungsfonds EFSF kommen.

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

  • Griechenland - Schuldenschnitt mit Konjunktiven

    Griechenland befindet sich am Rande des Staatsbankrotts. Der Ausstieg aus dem Euro droht wie ein Damoklesschwert. Die Regierungsbildung nach den Parlamentswahlen, bei der die Linke stark zulegte, aber auch Rechtsextreme profitierten, war erfolglos. Nun stehen dem Land weitere Neuwahlen bevor. Siehe auch: Dossier Finanzkrise
    Mehr

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

2 Kommentare zu diesem Artikel

Kommentar schreiben (Login erforderlich)
  • preilboxer, 13. Feb 2012 11:52

    Solidarität - aber nicht mit dem Volk...

    Nicht die 100000 Demonstranten haben Griechenlands Volkswirtschaft zerstört, sondern skrupellose Wirtschaftsführer und deren Zocker. Fehlende Einsicht bei denen, die immer noch in Euros schwimmen und das größte Hindernis auf dem Weg aus der Staatspleite sind. Neue Kredite helfen wieder nur denen, die noch nicht entlassen, berentet oder bettelnd auf den Straße sitzen. Die EU, insbesondere wir Deutschen, haben den Griechen die Wettbewerbsfähigkeit mit Einführung des Euros genommen. Ein Land zu knebeln, hat nichts mit Demokratie oder freier Willensentscheidung zu tun, es ist der Fall in die frühkapitalistische Phase der Industrialisierung. Lebensqualität anstelle eines wilden orientierungslosen Wachstums sollte diesem Land sein Selbstwertgefühl zurück geben. Selbstwert anstelle von Mitleid - Drachmen anstelle von Euro.

    • Permalink

  • NaJa, 13. Feb 2012 13:53

    Re: Solidarität - aber nicht mit dem Volk...

    Zu diesen an den Haaren herbeigezogenen "Argumenten" einfach ein paar Fakten:
    Bevölkerungszahl in Gr. ca. 10,7 Mio
    Anzahl Beamte ca. 1,2 Mio
    Anzahl Angest. i. Ö.D- ca 0,65 Mio
    Wenn jetzt, großzügig gerechnet in GR eine Beschäftigungsquote von 50% wäre, dann würde das bedeuten : Von 5,35 Mio Beschäftigten sind 1,85 Mio öffentlicher Dienst oder 35%.
    Das wären 14,8 Mio Beamte und öffentliche Angestellte in Deutschland
    Natürlich ist das Volk der Hauptverursacher der ganzen Schuldenmisere.

    • Permalink

Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.

Ihre Meinung zu diesem Artikel

Frisch gebloggt
26.05.2012 | Marcus Meier

Sind Frauen die besseren Politiker?

Alle Blogs

Facebook
Twitter

Zum Shop

Sie sind gefragt

Velothon 2012

nd stellt eine Mannschaft zusammen
Kristina Schröder Bildungsabo

Um Mithilfe wird gebeten

Bundesministerin Kristina Schröder warnt vor dem linksextremen »nd«. Lesen Sie selbst!
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.

Werbung:

Werbung:

Sprungmarken: Seitenanfang.