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Von Brigitte Zimmermann 14.02.2012 / Flattersatz
Flattersatz

Superstar Deutschland

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Für Menschen ohne Furcht vor Selbstblamage existiert offenbar in Ewigkeit die Sendung »Deutschland sucht den Superstar«. Dieser Titel ist allerdings irritierend und läuft Gefahr, am Wesentlichen vorbeizuzielen. Denn Deutschland ist der Superstar, falls das noch nicht alle gemerkt haben. Es leuchtet in seiner Vorbildlichkeit. Sagt jedenfalls der französische Präsident Sarkozy, dem freilich die Abwahl droht. Auch die Kanzlerin betont ausdauernd, wie gut »wir« aus der Krise gekommen sind. Was der Nachfrage schon deshalb wert ist, weil die Schuldenkrise andauert. Und wer ist »wir«?

Wenn Merkel »wir« sagt, meint sie niemals alle. Sie misst das am Erfolg der in vieler Hinsicht abgabenbegünstigten deutschen Unternehmen und Unternehmer, die im Jahre 2011 für 1,06 Billionen Euro Exporte realisiert haben. Rekord. Nicht zuletzt mit Hilfe des durchgehartzten Arbeitsmarkts, der über viele prekäre Anstellungsverhältnisse die Lohnkosten verbilligt. Gesetzlicher Mindestlohn ist ja nicht, da sei Frau Merkel persönlich vor. In ihrem »wir« steckt zudem gepflegtes Selbstlob für sich und ihre Regierung. Was nicht ganz falsch ist, weil es bei dem eingeschlagenen Zickzack-Kurs in der Krise durchaus hätte schlimmer kommen können - und noch kommen kann.

Genau hinschauen darf man nämlich nicht. Beim geistig-moralischen Zuschnitt des Großteils der uns Regierenden wirkt jede mittlere Talkshow wie ein Professorenkollegium. Es agieren Großschaumschläger (Guttenberg, Koch-Mehrin, tendenziell von der Leyen), Abgreifer ohne jede Scheu vor Selbstblamage (Wulff), Amokläufer (Dobrindt) und Versorgungssucher für eigene Parteifreunde (Niebel). Dazwischen andere Mitleid erregende Stümper aus jener Regierungspartei, die in Umfragen auf eine Zwei vorm Koma herabblickt.

Das gehört zum Fundament, auf dem sich die Kanzlerin anschickt - wenigstens verzichtet sie hier auf das »wir« -, die Franzosen wissen zu lassen, wen sie im Mai zum Präsidenten wählen sollen. Sie wünscht Sarkozy. Da entbehrt sie der Vorstellungskraft, was ihre Leute anstellen werden, wenn trotzdem der Sozialist Hollande gewählt wird, wonach es aussieht. Der untersteht sich vielleicht, seinerseits hier aufzuschlagen und im Bundestagswahlkampf 2013 genauso schamlos den SPD-Kandidaten zu unterstützen. Amokläufer Dobrindt wird dann nicht nur das Verbot der Linkspartei, sondern auch der SPD verlangen und eine Neuauflage des deutsch-französischen Krieges von 1870/71 fordern. Da ging es auch um Thronfolgefragen.

Es gibt weitere innere Gründe, die nahe legen, den Franzosen ihre Entscheidung selbst zu überlassen. Wir, in diesem Falle ist der Ausdruck angebracht, stehen vor der Welt mit einer Neonazi-Mordserie da, von 13 nicht aufgeklärten Banküberfällen zu schweigen, die über ein Jahrzehnt schlampig verfolgt und unverschämt gar den Opfern angelastet wurde. Auch jetzt wird mehr Tamtam gemacht, als tatsächlich geschieht. Es gibt Untersuchungsausschüsse und Kommissionen, aber auch hochgradig Interessierte, die ihre Blindheit nach rechts kaschieren wollen und werden. Ermittlungserfolge sind kläglich. In Haft sitzt einer, der »um 2000« den späteren Mördern eine Waffe besorgt haben soll. Auch wenn man selbst unter seinen entferntesten Bekannten keinen haben will, der anderen Pistolen besorgt: Als Haftgrund wird angegeben, er habe billigend in Kauf genommen, dass damit Verbrechen begangen werden könnten. Vielleicht ist das juristisch haltbar, nur war damals noch kein einziger Mord geschehen. Was aber haben Hunderte hoch bezahlte Ermittler folgenreich in Kauf genommen, als die Mordserie sich fortsetzte und ihnen die einschlägig bekannten Verdächtigen immer wieder aus dem verengten Blickfeld gerieten? Da müsste ein ganzes Untersuchungsgefängnis voll sein.

Vor unserer eigenen Tür gäbe es viel zu tun.

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