Marcus Meier 18.02.2012 / Kolumnen
Klima-Debatte

Wenn Vahrenholt Recht hätte

Ein Gedankenspiel aus gegebenem Anlass

Energiewende, Maßhalten bei Energieverbrauch, Fleischkonsum und Flugreisen – sinnlose Maßnahmen für einen als überflüssig empundenen Klimaschutz. Das ist die Position von RWE-Manager und Buch-Autor Fritz Vahrenholt (»Die Kalte Sonne«). Hat er Recht? Ein Gedankenspiel belegt: Fast alles, was heute unter dem Label Klimaschutz praktiziert wird, ergibt auch in vielerlei anderer Hinsicht Sinn.

Im Rheinischen Braunkohlerevier wehren sich Bürger gegen den Ausbau von RWE-Kraftwerken. Der Klimaschutz spielt für viele dabei keine Rolle.
»Prämisse falsch, Schlussfolgerung Nonsens: Können wir es damit gut sein lassen?«, fragte ich in der letzten Woche bezogen auf das Fritz-Vahrenholt Buch »Die Kalte Sonne«. Nun lässt sich die Frage noch präziser verneinen. Denn noch immer weite Kreise zieht das Buch, dessen Thesen rein zufällig konform gehen mit den Interessen des Energie-Konzerns, der Vahrenholt und seinen Co-Autoren beschäftigt. Gönnen wir uns heute also einen kleinen Spaß! Fragen wir: Was wäre, wenn der Klimawandel tatsächlich nicht stattfände? Wenn die große Mehrheit der Experten irren sollte – trotz jahrzehntelanger Forschung, offener Debatte und hunderter Veröffentlichungen? Wäre dann alles sinnlos, was derzeit unter dem Label »Klimaschutz« praktiziert oder zumindest angedacht wird? »Jede energiepolitische Maßnahme steht mittlerweile unter dem Leitmotiv des Klimaschutzes«, beklagen Vahrenholt und Lüning in ihrem Buch. »Stoppt den Wahnwitz mit der mit Solar- und Windkraft«, schlagzeilte die Bild-Zeitung unter Bezug auf Vahrenholt. Wäre die Energiewende überflüssig – wenn es denn keinen Klimawandel gäbe?Stichwort: Öl und ErdgasNein, sie ist auch aus verdammt vielen anderen Gründen sinnvoll. Erdöl wird in immer größeren Tiefen gefördert, ohne eine taugliche Havarietechnik. Es drohen weitere Katastrophen wie jene auf der Ölplattform »Deepwater Horizon«. Und Tankerunglücke mit ihren massiven Folgen für Mensch und Natur. Wir nähern uns Peak Oil – oder haben diesen Höhepunkt der Öl-Förderung bereits überschritten, nach dem es stetig bergab geht. Die Öl-Preise steigen weiter. Um Erdöl wurden und werden Kriege geführt. Manche Despotie wird genährt von Petro-Dollar-Milliarden. Effiziente und flexible Gaskraftwerke könnten die Brückentechnologie beim Übergang in das regenerative Zeitalter sein – sofern wir einer solchen überhaupt bedürfen. Doch stellt sich die Frage nach der Versorgungssicherheit,der immer wieder aufflammende Streit um abgedrehte oder gedrosselte Gasleitungen unserer russischen Nachbarn legt davon beredtes Zeugnis ab. Nun soll unkonventionelles Erdgas uns auf dem fossilen Pfad halten – ein paar Jahrzehnte länger jedenfalls.

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