Sprungmarken: Inhalt, Navigation.
Suchen auf neues-deutschland.de:

Erweiterte Suche

Von Hans-Gerd Öfinger, Frankfurt am Main 23.02.2012 / Wirtschaft

Räder rollen in Rhein-Main

Streik der Vorfeldmitarbeiter nach Verhandlungsangebot von Fraport ausgesetzt

Trotz des vorläufigen Endes des Streiks am Frankfurter Flughafen könnte es heute noch zu Einschränkungen im Flugverkehr kommen.

Der Arbeitskampf von knapp 200 Vorfeldmitarbeitern am Frankfurter Rhein-Main-Flughafen ist vorerst beendet. Heute wollen die Parteien an den Verhandlungstisch zurückkehren. Auslöser für die überraschende Wendung war am Mittwoch, dem fünften Streiktag, ein schriftliches Angebot des Flughafenbetreibers Fraport an die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) zur raschen Wiederaufnahme der Gespräche ohne Vorbedingungen. Daraufhin setzte die GdF den bis Freitagabend anberaumten Arbeitskampf bereits mit Beginn des Nachtdienstes am Mittwoch um 22 Uhr aus.

Die Fronten im Streik hatten sich in den letzten Tagen verhärtet, nachdem die Fraport-Spitze einen Spruch des von ihr vorgeschlagenen Schlichters, des früheren Hamburger Bürgermeisters Ole von Beust (CDU), abgelehnt hatte. Die GdF hingegen akzeptierte die darin umrissene Kompromisslinie in Fragen von Einkommen und Arbeitsbedingungen sowie auch eine vierjährige Laufzeit. Dass ein Schlichterspruch einmal nicht akzeptiert werde, sei durchaus normal, hatte Fraport-Arbeitsdirektor Herbert Mai am Dienstag erklärt und als Beleg Tarifrunden angeführt, die er als damaliger Vorsitzender der Gewerkschaft ÖTV maßgeblich mitgestaltet hatte. »Noch nie hat eine Partei den Spruch eines von ihr vorgeschlagenen Schlichters abgelehnt«, meinte hingegen GdF-Sprecher Matthias Maas auf »nd«-Anfrage.

Der Fraport-Vorstand möchte die Vorfeldmitarbeiter spätestens zum 1. August in drei separate GmbHs für die Bereiche Verkehrszentrale, Vorfeldkontrolle und Vorfeldaufsicht sowie eine übergeordnete neue Holding ausgliedern. Die GdF hat sich damit abgefunden, möchte aber möglichst gute tarifliche Bedingungen in den neuen GmbHs erreichen. Dass auf Rhein-Main mit Starts und Landungen im Minutentakt und der neuen Landebahn die Anforderungen an das Vorfeldpersonal besonders hoch seien, müsse sich im Tarifvertrag niederschlagen.

Forderungen nach Jahresgehältern zwischen 60 000 und 70 000 Euro entsprächen dem Niveau von Professoren, kritisierte hingegen Herbert Mai. Bei solchen Beträgen handele es sich nur um Höchststufen etwa für Schichtleiter in der Verkehrszentrale nach 25 Dienstjahren, konterte die GdF. Die Gewerkschaft hält Mais Appelle, den Gürtel enger zu schnallen, für unglaubwürdig. Das Jahreseinkommen des Fraport-Arbeitsdirektors sei allein seit 2009 um rund 150 000 Euro gestiegen und belaufe sich derzeit auf etwa 700 000 Euro.

Dass Herbert Mai in seinen Pressestatements wiederholt vor »verantwortungslosen Streiks kleiner Gewerkschaften« gewarnt und die Politik zu Gesetzesänderungen aufgefordert hatte, um die Tarifeinheit und den Grundsatz »Ein Betrieb - eine Gewerkschaft« durchzusetzen, ist aus GdF-Sicht Teil einer politischen Kampagne. Es sei kein Zufall, dass Arbeitgeberfunktionäre und Politiker dieses Thema wieder aufgegriffen hätten, meint GdF-Tarifreferent Stefan Pille. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, deren Fachbereich Verkehr auch im Fraport-Betriebsrat den Ton angibt, hatte sich im vergangenen Frühjahr von einem gemeinsamen Vorstoß der Spitzen von DGB und Arbeitgeberverbänden losgesagt.

Im jüngsten Nervenkrieg zwischen Fraport und GdF waren die Fraport-Manager in ihren Statements immer wieder um den Eindruck eines erfolgreichen Krisenmanagements bemüht, das mit Hilfe von Streikbrechern die Streikfolgen im Griff habe. Mais Aussage, dass 80 Prozent aller Flüge planmäßig abgewickelt worden seien, zweifelt die GdF an. Gemessen am Flugplan liege die wirkliche Zahl eher bei 50 oder 60 Prozent, so GdF-Tarifreferent Pille. So habe die Lufthansa in den letzten Tagen ihren Flugplan erheblich ausgedünnt. Durch den Einsatz von ungeübten Streikbrechern habe Fraport »mit der Sicherheit gespielt«. Mehrfach hätten in den letzten Tagen erfahrene Piloten den Anweisungen der Einweiser widersprochen und so womöglich Schlimmeres verhindert.

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

1 Kommentar zu diesem Artikel

Kommentar schreiben (Login erforderlich)
  • DB69, 25. Feb 2012 15:25

    Vertretbar aber kurzsichtig

    Ich habe durchaus Verständnis dafür, dass auch eine kleine Gewerkschaft wie GdF die Interessen Ihrer Mitglieder offensiv und im Zweifelsfall auch alleine auf weiter Flur vertritt. Wer geliebt werden möchte, muss einen anderen Beruf ergreifen, das war immer schon so und wird sich (hoffentlich) auch nicht ändern. Ich finde allerdings die Art und Weise wie der Arbeitskampf am Frankfurter Flughafen geführt wird wenig geschickt. Wenn ich schon so drastisch den Flughafenbetrieb einschränke, dann muss ich es auch schaffen der Öffentlichkeit für meine Forderung als gut und notwendig zu verkaufen. Das scheint hier noch nicht gelungen - und viel schlimmer, das wird ganz offensichtlich auch nicht versucht. Anstelle dessen ergeht man sich in Vorwürfen gegen die Fraport und deren Verantwortliche. Schade.

    • Permalink

Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.

Ihre Meinung zu diesem Artikel

Frisch gebloggt
24.05.2012 | Katja Eichholz, David König und Olaf Präger

Änderungen in der nd-Community

Alle Blogs

Facebook
Twitter
16. - 17. Juni 2012

nd-Pressefest / Fest der Linken

Wir laden ein zu Musik, regen Markttreiben, zu Polittalks, Lesungen, Diskussionen...
nd-Probeabo

Jetzt »nd« testen

Hier Ihre kostenlose Leseprobe bestellen.
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.

Werbung:

Werbung:

Sprungmarken: Seitenanfang.