02.03.2012

Selbst ist die Frau

Kommentar von Grit Gernhardt

Dass Frauen in Sachen Lohn immer noch in vielen Bereichen schlechter dastehen als ihre männlichen Kollegen, ist keine Neuigkeit. Dass sich die Diskriminierung aber sogar bei Entlassungen zeigt, wird gerade wieder einmal durch die Schlecker-Pleite deutlich. Die meisten Angestellten der Drogeriekette sind Frauen, das ist im Kassenbereich hierzulande immer noch die Regel. Und schlecht bezahlt werden die Verkäuferinnen noch dazu. Sie wird der Absturz vom Job in die Erwerbslosigkeit also besonders hart treffen, viele dürften wohl gleich in den Hartz-IV-Bezug rutschen.

Dennoch blieb der Aufschrei aus der Politik bisher aus. Im Gegensatz zur Opel-Pleite, die monatelanges Ringen um die Arbeitsplätze und Werke hervorrief, scheint die Schließung von 2400 Schlecker-Filialen und die Entlassung von fast 12 000 MitarbeiterInnen kaum größeres Aufsehen zu erregen. Ein Schelm, wer da vermutet, dass nur jene Jobs die Ökonomie stützen, die mit Männern besetzt sind. Nun ist Deutschland zwar auch eher als Volk von Autofahrern, denn als eines von Drogerieartikelsüchtigen bekannt, dennoch verwundert der unterschiedliche Umgang der Politik mit Betriebspleiten. Denn auch der Baukonzern Holzmann, den Ex-Bundeskanzler Schröder sogar eigenhändig aus dem Insolvenzsumpf ziehen wollte, und die Bremer Vulkan-Werft - beides fast reine Männerbetriebe - sollten mit Staatsmilliarden vor dem Untergang gerettet werden. Schlecker-Betriebsratschefin Christel Hoffmann dagegen wartet bisher vergeblich auf eine kleine Solidaritätsbezeugung von ganz oben für die vielen entlassenen Schlecker-Frauen.

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