Von Andreas Fritsche
06.03.2012
Gelesen

Abseits bekannter Wanderwege

Aus beliebten Wanderwege einfach neue Touren schneidern, das war nicht die Absicht von Martin Mosch. Der Dozent für Typographie wandert in seiner Freizeit leidenschaftlich. An den Wochenenden tut er es gewöhnlich im Berliner Umland. In seinem Buch »Brandenburg landeinwärts« gibt Mosch echte Geheimtipps.

So empfiehlt er auch mal Ausflüge, wo es ein paar hundert Meter durch eine Ackerfurche geht, weil der eigentliche Weg neben dem Feld zugewachsen ist und deshalb unpassierbar wurde. Die 20 Kilometer von Rädicke über Garrey nach Lobbese und zurück ist vielleicht schon lange niemand mehr gelaufen, jedenfalls kein Berliner. Mosch erzählt von der Begegnung mit einem Bauern, der vom tuckernden Traktor springt und wissen möchte, was den Wanderer nach Garrey verschlagen habe. Denn diesen Teil des Flämings suchen selten Gäste auf, und wenn, dann stammen sie aus Sachsen-Anhalt. Die Berliner ziehe es gewöhnlich in die Gegend nördlich der Autobahn, wo die Burgen als Ausflugsziel locken.

Bei einem 20 Kilometer langen Rundkurs von Barenthin aus fragen Anwohner in Granzow verblüfft, ob Mosch hier tatsächlich wandere. »Das scheint in der Prignitz nicht so oft vorzukommen«, notiert der Autor, dem überhaupt immer wieder freundliche Leute begegnen, die den Weg weisen oder zu einem Schwätzchen gern bereit sind. Also nicht nur stille Natur, wenngleich es sich darum in diesem Buch zuvörderst dreht.

So erfährt Mosch, der sich in Templin von den schönen Häuschen und den Geschäften blenden ließ, von einem Rentner, dass die Stadt, in der Bundeskanzlerin Angela Merkel aufgewachsen ist, heute eine »sterbende Stadt« sei. »Glück für die, die von Rente leben«, sagt der Senior. »Wer von Arbeit leben muss, der hat's schwer.« Oder in Rhinow: Da witzelt ein Bürger über stillgelegte Gleise, neulich habe sich einer umbringen wollen. Weil kein Zug kam, sei er verhungert.

Aber den Autor zieht es nicht nur in abgelegene Gegenden. Auch rund um ein bekanntes Ziel wie Buckow findet Mosch noch Strecken, wo er abenteuerlich über umgestürzte Bäume klettern muss.

Insgesamt 15 Routen beschreibt Martin Mosch. Allein je vier davon liegen im Fläming beziehungsweis in der Uckermark, drei in der Märkischen Schweiz, zwei im Oderbruch, eine in der Prignitz und eine im Havelland. Dazu finden sich jeweils eine Karte und etliche Schnappschüsse von der Strecke. Wer die Natur liebt und es obendrein interessant findet, neben hübschen Dörfern auch mal halbverfallene Häuser oder ein verlassenes Militärobjekt zu entdecken, der sollte unbedingt in Moschs Fußstapfen treten. Seine Wanderungen sind Geheimtipps. Das Buch dürfte auch ein Geheimtipp sein.

Martin Mosch: »Brandenburg landeinwärts«, be.bra, 159 Seiten (brosch.), 14 Euro

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