08.03.2012

Babyboom im Bundestag

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Katja Kipping, 34 Jahre,stellvertretende Vorsitzende der Partei DIE LINKE, sozialpolitische Sprecherin und seit kurzem Mutter.

In dieser Woche läuft der Härtetest für unsere Tochter und mich: Zum ersten Mal, seit sie im November geboren wurde, nehme ich an einer Sitzungswoche im Bundestag teil. Ein Vierteljahr habe ich mich aus der Politik zurückgezogen, um die Zeit mit der Kleinen zu genießen. Ich hätte das gern noch verlängert, aber als Abgeordnete habe ich kein Recht auf ein Babyjahr.

Nun muss die Arbeit völlig neu organisiert werden. Früher hatten meine Arbeitswochen oft 70 Stunden. Jetzt versuche ich, weniger Termine anzunehmen; Sitzungen unterbreche ich regelmäßig durch Pausen fürs Stillen. Ohnehin hängt die Qualität von Politik ja nicht von Nonstop-Sitzungen ab. Im Parteivorstand lief das vorige Woche gut: Ich konnte trotz der Pausen gut mitdenken und -reden. Nur zum Lesen von E-Mails bleibt viel weniger Zeit. Im Zug lese ich meiner Tochter statt dessen Drucksachen vor - zur Beruhigung.

Unser Anspruch als Eltern ist, die Erziehungsarbeit zu teilen. Ob wir das schaffen? Mein Mann arbeitet als Wissenschaftler in einem Bereich, in dem prekäre Verhältnisse allgegenwärtig sind. Wenn er arbeiten muss, nehme ich die Kleine in den Bundestag mit. Dort gibt es jetzt sogar Stillzimmer - in den früheren Raucherräumen. Die Verwaltung stellt sich langsam auf Babys ein; eine Fraktionskollegin musste noch dafür kämpfen, dass sie mit ihrem kranken Kind zu Hause bleiben durfte.

Ob wir später einen Krippenplatz bekommen, weiß ich nicht. In der Kita des Bundestages werden vor allem Kinder von Mitarbeitern aufgenommen. Und da gibt es gerade einen Babyboom.

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