09.03.2012
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Frauen in der Teilzeitfalle

Pünktlich zum Internationalen Frauentag veröffentlichte das Statistische Bundesamt am Donnerstag denkwürdige Zahlen. Demnach arbeiten erwerbstätige Frauen hierzulande im EU-Vergleich überdurchschnittlich häufig in Teilzeit. So galten im Jahre 2010 beinahe 70 Prozent der 20- bis 64-jährigen Frauen als erwerbstätig. Mehr als 45 Prozent von ihnen waren Teilzeitkräfte. Zum Vergleich: Im EU-Durchschnitt lag die Quote mit 30,8 Prozent deutlich darunter.

Das arbeitgebernahe Institut der Deutschen Wirtschaft hatte noch im Jahr 2010 eine Studie publiziert, wonach Teilzeit und Minijobs die Arbeitslosigkeit reduzieren würden, weil die dort arbeitenden Menschen dem Arbeitsmarkt sonst gar nicht zur Verfügung stünden.

Das mag für einen Teil der Frauen, etwa die Alleinerziehenden, stimmen. Wer für seine Kinder keine Kita findet oder vergeblich einen Hortplatz sucht, hat keine andere Chance, als Halbtagsjobs zu übernehmen. So kann es nicht verwundern, dass jede zweite Frau die Betreuung von Kindern oder Pflegebedürftigen im Haushalt als Hauptgrund für die verkürzte Arbeitszeit angibt.

Viele der betroffenen Frauen stecken unfreiwillig in der Teilzeitfalle. Dies zeigt auch die Umfrage des Statistischen Bundesamtes: Beinahe jede fünfte Frau in Teilzeit wünscht sich einen Ganztagsjob, doch auf dem deregulierten deutschen Arbeitsmarkt suchen viele vergebens.

Der Mangel an Stellen, die ein auskömmliches Leben sichern, ist kein Zufall, sondern gewollt. So stieg die Zahl der Teilzeitbeschäftigten von 2000 bis 2010 um drei Millionen auf heute mehr als zehn Millionen. Die Arbeitsplätze entstanden meistens nicht neu. Viele Firmen nutzten die Möglichkeit, um vorher halbwegs vernünftig bezahlte Vollzeitjobs in meist schlechter entlohnte Teilzeit- oder gar Minijobs umzuwandeln.

Doch selbst Frauen, die eine vollwertige Stelle ergattern konnten, liegen in ihrem Verdienst weit unter dem, was ihre männlichen Kollegen bekommen. Wie das WSI-Tarifarchiv der gewerkschaftsnahem Hans-Böckler-Stiftung meldete, liegt der durchschnittliche Bruttomonatsverdienst von Frauen in Deutschland rund 21 Prozent unter dem der Männer.