Von Marcus Meier
10.03.2012

Ein X für die CDU

NRW-Grüne protestieren gegen drohende Atom-Transport-Welle

Manche PR-Aktion erzeugt unfreiwillige Komik: 20 NRW-Grüne protestierten gestern vor der Landeszentrale der CDU. Ihre Forderung: Bundesumweltminister Röttgen soll Dutzende Atommülltransporte durch NRW verhindern. Die könnte Rot-Grün auf Landesebene doch selbst stoppen, argumentieren Atomkraftgegner.
b96fc5adc3096d4fb671ddd6902d4345.jpg
Die Grüne Monika Düker mit Protestkreuz

Das gelbe X ist rund zweieinhalb Meter hoch. Eintausend Protest-Unterschriften sind darauf. Vor dem X steht Monika Düker, blickt in eine Kamera und spricht in das dazugehörige Mikrofon. »Der Atommülltourismus quer durch NRW ist überflüssig und gefährlich«, moniert die Vorsitzende der nordrhein-westfälischen Grünen. 152 Castoren aus einem ehemaligen Kernforschungsreaktor sollen von Jülich ins Brennelementezwischenlager nach Ahaus gekarrt werden? Quer durch das dicht besiedelte NRW? Das zu verhindern, »liegt in der Hand von Herrn Röttgen«, sagt Düker. Und sie fordert: »Herr Röttgen, übernehmen Sie Verantwortung!«

Herr Röttgen heißt mit Vornamen Norbert, ist Bundesumweltminister und zugleich Landesvorsitzender der CDU. Weswegen Monika Düker und 19 Parteifreunde gestern vor der CDU-Landeszentrale in der Düsseldorfer Wasserstraße demonstrierten. Sirenen heulen, junge Menschen in weißen Schutzanzügen trommeln auf Castor-artigen Fässern, auf einem grünen Transparent steht: »Kein Castor von Jülich nach Ahaus.« Schließlich übergibt Düker das gelbe X nebst Unterschriften an die Christdemokratie.

20 Grüne, 30 Minuten Protest, ein Dutzend Journalisten, drei Kamerateams - man darf wohl von einer gelungenen PR-Aktion sprechen. Einziger Schönheitsfehler: Die Grünen sind in NRW nicht Protest-, sondern Regierungspartei. Dass quer durch das einwohnerstärkste Bundesland nicht nur die Jülicher Castoren rollen sollen, sondern permanente Urantransporte führen und zu allem Überfluss auch noch Plutonium gekarrt werden soll - all das schmeckt den dortigen Atomkraft-Gegnern nicht.

Rot-Grün steht insbesondere in Sachen Jülich-Castoren in der Kritik der Anti-AKW-Bewegung. »Wenn die Landesregierung die Transporte verhindern will, dann kann sie das auch. Bremen hat es vorgemacht«, argumentiert beispielsweise Matthias Eickhoff vom »Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen«. Eickhoff fordert einen Kabinettsbeschluss, der die politische Leitlinie »Wir dulden keine Atommülltransporte« festzurre. Auch müsse das Land NRW beim zuständigen Bund eine Stellungnahme zu den Transporten abgeben. »Das könnte auch ein Veto sein«, fordert Eickhoff. Doch Rot-Grün, ärgert er sich »hat einfach keine klare Linie«.

Unter rot-grünen Landesregierungen massiv ausgebaut wurde die Urananreicherungsanlage im münsterländischen Gronau. 4500 Tonnen Uran pro Jahr werden dort für AKW in aller Welt aufbereitet, ob die Zielmarge erst künftig oder bereits jetzt erreicht wird - kein Außenstehender weiß es. Unter dem Motto »1 Jahr Fukushima und kein Ende…!« wird übermorgen vor Ort eine Großdemonstration stattfinden. Natürlich sind auch die NRW-Grünen mit dabei: »Wir werden«, spricht Düker in die Kameras, »am Jahrestag von Fukushima in Gronau demonstrieren.«