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12.03.2012

Ein neues Weltgeld?

Von Harry Nick

In früheren Zeiten war es einfach und eindeutig mit dem Weltgeld. Das waren die Edelmetalle, das Gold vornehmlich. Geldnoten waren Anweisungen auf Gold von bestimmtem Gewicht, jederzeit gegen das Metall eintauschbar. Damit waren auch die Wechselkurse zwischen verschiedenen Geldnoten und Landeswährungen eindeutig bestimmt. Währungsspekulation konnte es nicht geben, Inflation auch nicht.

Das Ungleichgewicht im heutigen Währungssystem, eine der Hauptursachen der Krise, sind nur möglich, weil der Kapitalismus das Wirtschaftsgeschehen globalisiert, den Goldstandard der Währungen aber aufgehoben hat. Die Funktionen des Weltgeldes wurden nationalen Papierwährungen, heute dem US-Dollar, übertragen.

Nationale Währungen sind nicht geeignet, die Funktionen als Weltgeld auszufüllen: Sie sind bestenfalls Leit- und bevorzugte Reservewährungen. Vor allem sind sie der Gefahr von Interessenkonflikten ausgesetzt. Der Dollar wird von den USA als Instrument ihrer Weltmachtambitionen bedenkenlos missbraucht.

Nur die USA können sich ohne negative Folgen ihrer Notenpresse bedienen. Wachsende Verschuldung verschlechtert nicht entsprechend den Dollarkurs. Und sofern der sinkt, verringert sich die Schuldenlast. Die US-Verschuldung hat kürzlich die 15-Billionen-Marke überschritten. Dass China hiervon 1,6 Billionen Dollar besitzt, gehört zu den Ungleichgewichten des Währungssystems.

Die Staatsschulden der USA und Italiens sind jeweils etwa so hoch wie die Wirtschaftsleistung eines Jahres. Aber die USA müssen nur etwa drei Prozent Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen zahlen, Italien sieben Prozent. Weil das Vertrauen in die politische und wirtschaftliche Stabilität der USA größer ist als das in Italien. Nicht nur, weil die USA die größte Wirtschaftsmacht ist, sondern auch, weil der Dollar ein Quasi-Weltgeld ist. Das verhängnisvolle des Dollars besteht vor allem darin, dass die USA ihn einsetzen, um ihre militärische und politische Macht durch Verschuldung zu stärken, und diese Macht wiederum für die Behauptung ihrer Weltgeldposition nutzen. Aber der Dollar-Einfluss schwindet wie sein Wert. Von der Gefahr eines Crashs ist die Rede.

Deshalb setzen sich manche Ökonomen - vor allem Nobelpreisträger Joseph Stiglitz - für die Einführung einer neuen Weltwährung ein. Die Vorschläge, das Weltwährungssystem durch Reparaturen - zum Beispiel durch die Stärkung des Verbunds von Dollar und Euro oder durch feste Wechselkurse zwischen Dollar, Euro, Yen und Yuan - werden wohl nicht aus dieser misslichen Lage herausführen. Am aussichtsreichsten scheint die Besinnung auf John Maynard Keynes: Er schlug die Einführung eines Weltgeldes vor, das er »Bancor« nannte. Dies ist eine vielleicht bessere Bezeichnung als »global greenback«, die Stiglitz wählt. »Greenback« erinnert zu sehr an den Dollar. Es geht aber gerade um eine Abkehr von ihm als Quasi-Weltgeld.

Nicht die US-Zentralbank, sondern die Weltbank wäre dann die Zentrale für Weltwährungspolitik. Sie würde analoge Funktionen im Weltmaßstab übernehmen, welche die nationalen Notenbanken heute ausüben. Die Idee eines Weltgeldes ist aber nur ein Moment der dringenden Demokratisierung der weltwirtschaftlichen Verhältnisse.

In der wöchentlichen nd-Wirtschaftskolumne erläutern der Philosoph Robert Kurz, der Ökonom Harry Nick, die Wirtschaftsexpertin Christa Luft und der Wirtschaftsprofessor Rudolf Hickel Hintergründe aktueller Vorgänge.

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