24.03.2012

Entbehrungen im Abstiegskampf

Mathias Abel fordert von seinen Mitspielern beim 1. FC Kaiserslautern noch größere Opfer für den Verein

Seit 16 Bundesligaspielen wartet der Tabellenletzte 1. FC Kaiserslautern auf einen Sieg, fünf Punkte fehlen zum Relegationsplatz. Dort steht der SC Freiburg, bei dem der FCK heute antritt. Mit Verteidiger MATHIAS ABEL (30) sprach ALEXANDER LUDEWIG über den Trainerwechsel mitten im Abstiegskampf, Rassismus im Fußball und Pyrotechnik.

nd: Herr Abel, was wünschen Sie sich für das Spiel in Freiburg?
Abel: Auf jeden Fall einen Sieg, um den Abstand auf Freiburg zu verringern. Aber auch, dass wir mal wieder ein überzeugendes Spiel zeigen und drei verdiente Punkte mit nach Hause nehmen.

Unverdiente Punkte wären doch auch nicht schlimm, oder?
Richtig, aber verdiente Punkte gäben ein noch besseres Gefühl.

Hilft der Trainerwechsel von Marco Kurz zu Krassimir Balakow mitten im Abstiegskampf?
Der Verein hat die Entscheidung getroffen, um noch mal Reserven freizusetzen und Blockaden zu lösen. Wenn man jede Woche einen Nackenschlag bekommt, lässt man den Kopf immer mehr hängen. Da können neue Impulse von außen schon helfen.

Was können Sie über ihren neuen Trainer schon sagen?
Wirklich nicht viel, er ist auch erst seit Donnerstag da. Eine positive Stimmung vermittelt er aber.

Trainerwechsel gehören zum Geschäft, sieben gab es in der ersten Liga während dieser Saison. Ist es für Sie als Spieler auch ein normaler Vorgang?
Nein. Wir haben zweieinhalb Jahre mit Marco Kurz zusammengearbeitet, jetzt ist er plötzlich weg. Es fühlt sich an, als ob irgendetwas fehlt. Normal aber ist, dass wir das als Profis beiseiteschieben und uns auf die schwere Aufgabe in Freiburg konzentrieren müssen.

Bis zuletzt hatte man den Eindruck, dass die Chemie zwischen Team, Trainer und Klub stimmte, dass Marco Kurz zum FCK passt. War der Abschied sehr emotional? Können Sie ihn schildern?
Es ist immer noch emotional und schmerzt, weil wir mit Marco Kurz eine sehr erfolgreiche Zeit mit dem Aufstieg und der guten letzten Saison hatten. Aber einen richtigen Abschied gab es gar nicht. Es ging alles überraschend schnell. Am Montag hat er noch das Training geleitet, am Dienstag, als wir in die Kabine kamen, war er schon weg.

Tabellenletzter, 16 sieglose Spiele in Serie: Wie kam es dazu?
Wir konnten unser Potenzial nicht abrufen. Wir haben viele gute Einzelspieler, aber nur wenige erreichen derzeit ihr normales Niveau. Wir hatten auch sehr gute Trainingswochen, konnten es im Spiel aber nicht zeigen. Auch die Nerven spielen eine Rolle, und der eine oder andere hat nicht so die Erfahrungen im Abstiegskampf.

Sie sind in Kaiserslautern geboren, haben in der FCK-Jugend gespielt und 2008 ihren Traum verwirklicht, als Profi zurückzukommen. Die Entwicklung trifft Sie sicher besonders hart.
Natürlich. Ich bin in der Stadt und mit dem Verein groß geworden, kenne noch die erfolgreichen Zeiten. Deshalb beschäftige ich mich mehr mit den Entwicklungen und mache mir mehr Gedanken. Deswegen tut es aber auch mehr weh.

Sind Sie damit in der jetzigen Situation auch besonders gefragt? Zumal als echte Kämpfernatur: Trotz drei Kreuzbandrissen haben Sie nie aufgegeben.
Ja. Ich habe schon die ganze Zeit probiert, mich in der Mannschaft noch mehr anzubieten, gerade für jüngere Spieler. Ich versuche, in Gesprächen meine Erfahrungen aus dem Abstiegskampf mit anderen Vereinen zu vermitteln.

Worauf kommt es denn ihrer Erfahrung nach jetzt an?
Es kommt auf die Spieler an. Deshalb war es zweitrangig, welcher Trainer kommt. Wir müssen abschalten und nur nach vorne schauen. Jeder muss noch mehr entbehren, Privates zurückstellen und mehr für den Verein opfern.

Auf die FCK-Fans ist auch in schlechten Zeiten Verlass. Neulich wurde Ihr israelischer Mitspieler Itay Shechter beim Training jedoch von einer kleineren Gruppe rassistisch beschimpft.
Ich habe das nicht mitbekommen, weil wir in zwei Gruppen trainiert hatten. Itay hatte es gar nicht verstanden. Als er davon erfuhr, tat es ihm natürlich sehr weh. Aber er ist damit professionell umgegangen und hat sich nicht groß davon beeinflussen lassen. Dennoch ist und bleibt es eine traurige Sache.

Begegnet Ihnen Rassismus im Fußball häufiger?
Eigentlich sehr selten. Ich glaube, früher war es schlimmer, vor allem gegen dunkelhäutige Spieler.

Warum haben Sie sich mit der Kampagne »Pyrotechnik legalisieren« solidarisiert.
Ich finde die Vorschläge der Fans zum kontrollierten Abbrennen vernünftig. Die Verbände sollten wieder auf Dialog setzen. Wenn man Verletzungen ausschließen kann, finde ich, dass Pyrotechnik dazu beiträgt, Emotionen und Fußballkultur am Leben zu halten.

Auch die Kommerzialisierung bedroht die Fußballkultur. Der FCK hat seinen Stadionnamen noch nicht verkauft.
Das ist toll, und ich hoffe unser Stadion wird immer Fritz Walters Namen tragen. Das ist Tradition, er ist ein Symbol für den gesamten deutschen Fußball. Und wenn ein Verein keine Riesenbeträge dafür bekommt, sollte er immer abwägen, was wichtiger ist.

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