Volkmar Draeger 29.03.2012 / Berlin / Brandenburg

Fragmente zum Fragment

Der Theaterdiscounter will nach Büchners Vorlage »Woyzeck überschreiben«

Eine ungeheure Sache, ein Schauspiel ohnegleichen, so urteilt Rainer Maria Rilke 1915 in einem Brief über Büchners »Woyzeck«. Jenes Fragment gebliebene Sozialdrama, entstanden kurz vor dem Typhus-Tod des genialen Schriftstellers, erhalten in 31 Szenen, jedoch ohne Seitennummerierung und deren Anordnung von letzter Hand des Dichters. Mehrere Kriminalfälle boten die Vorlage für die tragische Geschichte vom Mörder Woyzeck, den jedoch selbst zuvor die Gesellschaft »gemordet« hat: als chancenloses Subjekt der untersten Klasse. Ausgebeutet vom Hauptmann, benutzt vom Arzt, zuletzt gedemütigt vom Tambourmajor, der ihm nicht nur Marie, die Geliebte und Mutter seines unehelichen Kindes, ausspannt, sondern sich darüber auch noch lustig macht. So jemand muss irgendwann explodieren, sich loslösen: Woyzeck ersticht am See unterm Mond »wie ein glühend Eisen« eifersüchtig Marie und führt hiermit gleichermaßen den für ihn freilich tödlichen Befreiungsschlag von der verlogenen Gesellschaft, etwa dem Hauptmann, der ihm nach eigenem Weltbild Unmoral vorwirft, ohne Verständnis für Woyzecks existenzielle Bedrängnisse.

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