31.03.2012

Kontakt mit den Untergetauchten

Die Eltern des NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt berichten von Treffen bis 2002

Im Fall der mutmaßlichen NSU-Terroristen rücken jetzt deren Eltern in den Blick. Obwohl sie von Ermittlern längst befragt und als Vermittler zu ihnen ins Auge gefasst worden sind, stellt sich erst jetzt heraus, dass mindestens ein Elternpaar engen Kontakt zu den Untergetauchten gehalten hat.

München/Erfurt (dpa/nd). Die Eltern eines der mutmaßlichen Neonazi-Terroristen hatten laut einem »Focus«-Bericht mehrmals Kontakt mit Mitgliedern der untergetauchten Zwickauer Zelle. Es habe Telefonate und Treffen gegeben, zitierte das Magazin aus einer Vernehmung der Mutter von Uwe Böhnhardt. Vom Zeitpunkt des Untertauchens im Januar 1998 bis 2002 hätten Böhnhardts Eltern »enge Verbindungen« zu ihrem Sohn und seinen beiden Komplizen aus dem sogenannten Nationalsozialistischen Untergrund (NSU), Uwe Mundlos und Beate Zschäpe, gehabt.

Nach 2002 sei die Verbindung abgebrochen. Bis Ende 2001 sollen die zwei Männer des Trios nach Erkenntnissen der Ermittler bereits vier Morde begangen haben, außerdem vier Banküberfälle und einen Sprengstoffanschlag. Eine Sprecherin des Generalbundesanwalts sagte zu dem Bericht, dass die Behörde dazu keine Auskunft erteile. Unklar blieb nach dem Bericht, ob die Eltern von den Straftaten wussten. Zu Einzelheiten habe sich die Mutter nicht geäußert und sich auf ihr Zeugenverweigerungsrecht berufen. Der Vater von Uwe Mundlos habe den Thüringer Behörden unter anderem vorgeworfen, im Jahr 1998 den Fund von Sprengstoff in einer von Beate Zschäpe angemieteten Garage inszeniert zu haben. Auch wäre es ohne die nach seiner Ansicht unter Einflussnahme des Verfassungsschutzes gegründete Neonazi-Organisation »Thüringer Heimatschutz« nicht zu den Taten gekommen.

Die Mutter von Zschäpe beschrieb ihre Tochter indes als »liebes, nettes Mädchen«, das sich unter dem Einfluss extremistischer Freunde verändert habe. Ansonsten hätten ihre Freunde auf sie einen »sehr ordentlichen Eindruck« gemacht. »Sie tranken kaum Alkohol und achteten darauf, dass ihre Springerstiefel immer geputzt sind«, zitiert »Focus« zu der Vernehmung. Als möglichen Auslöser für das Untertauchen nannte sie eine länger zurückliegende Festnahme, nach der ihre Tochter erklärt habe, sie würde sich nie wieder festnehmen lassen.

Nachdem die beiden Männer im November 2011 nach einem Banküberfall in Eisenach von der Polizei in ihrem Wohnmobil aufgespürt wurden, sollen sie noch versucht haben, mit einer Maschinenpistole auf die Beamten zu schießen. Als die Waffe versagte, habe Mundlos erst Böhnhardt erschossen, dann das Wohnmobil in Brand gesteckt und anschließend sich selbst erschossen. Zschäpe hatte nach den bisherigen Ermittlungen drei Stunden später die Wohnung in Zwickau in Brand gesetzt und war geflüchtet. Einige Tage später stellte sie sich der Polizei. Seitdem sitzt sie in Untersuchungshaft und schweigt zu den Vorwürfen.

Werbung in eigener Sache

Artikel weiterempfehlen und ausdrucken