05.04.2012

Etappensieg

Standpunkt von Hans-Gerd Öfinger

Das Urteil zum Nachtflugverbot für den Frankfurter Flughafen verheißt den lärmgeplagten Anwohnern wenigstens von 23 bis 5 Uhr einen ruhigen Schlaf. Damit haben die Bundesrichter der wortbrüchigen CDU-FDP-Landesregierung eine Klatsche verpasst. Weil indes die umstrittene neue Nordwest-Landebahn unangetastet blieb, wird das Engagement der Bürgerinitiativen weitergehen. Viele verlangen Nachtruhe von 22 bis 6 Uhr, weniger Flüge und den Rückbau der Piste. Dass die neue Landebahn überflüssig ist, zeigt der Blick auf den Flugplan. Ein Viertel aller Flüge bedient Ziele im Inland und in Nachbarländern. Dass Reisende mit dem Zug ebenso schnell nach Berlin, Paris, Brüssel, Zürich oder Amsterdam gelangen, haben nicht zuletzt auch immer wieder gestrandete Passagiere erfahren, deren Flieger wegen Streiks oder Flugasche nicht abheben konnten.

Im Verkehrssektor gibt die Luftfahrt- und Mineralöllobby den Ton an. Diese wurde bisher von der Politik gehätschelt und subventioniert. Nun klagt sie lautstark über die sehr kurze Frankfurter Nachtruhe. Es ist höchste Zeit für ein kooperatives Verbundsystem aller Verkehrsträger. Das Verkehrswesen muss endlich an den Bedürfnissen von Mensch und Natur ausgerichtet werden und nicht an Renditeinteressen und einem ungezügelten Wettbewerb zwischen Monopolen auf dem Rücken von Beschäftigten, Anwohnern und Umwelt. Ökologisch und ökonomisch sinnloser Verkehr ist zu vermeiden. Schon deshalb geht der Streit um Fluglärm und die Frankfurter Landebahn auch den Rest der Republik etwas an.