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Von Norbert Podewin
14.04.2012

Ostrowski

KALENDERBLATT

Die Außerordentliche Sitzung des Berliner Abgeordnetenhauses am 11. April 1947 hatte ein einziges Thema: »Begründung des Misstrauensantrages der SPD gegen Oberbürgermeister Dr. Otto Ostrowski.« Im Text wurde behauptet: »Der Magistrat entspricht in seiner heutigen Zusammensetzung nicht den Erwartungen dieses Hauses.« Dies war schlicht unwahr. Der Stellvertreter des Oberbürgermeisters, Ferdinand Friedensburg, widersprach denn auch kategorisch. Das Gremium setze sich »aus einer Reihe eigenwilliger Persönlichkeiten zusammen, die sich jedoch zusammengerauft haben. Ein Vertrauensvotum erfordert die Erklärung nicht«, antwortete er auf den entsprechenden SPD-Antrag. Franz Neumann zog diesen daraufhin zurück, jedoch nur, um ihn neu zu formulieren: »Der Oberbürgermeister Dr. Ostrowski hat nicht mehr das Vertrauen der Stadtverordnetenversammlung.«

In der Abstimmung durchkreuzte das »Nein« der SED die Abwahl des sozialdemokratischen Oberbürgermeisters. Ostrowski verteidigte sich im Berliner Rundfunk und benannte als ein Problem »die geringen Machtbefugnisse des Magistrats im Verhältnis zur Alliierten Kommandantur«. Neumann schlug gegen den unbequemen Genossen über den RIAS zurück, warf ihm »einseitige Unterwerfung unter eine Besatzungsmacht« vor, gemeint war die sowjetische. Namhafte Sozialdemokraten forderten nun einen Basisentscheid, doch das wollten Neumann und Ernst Reuter, »Regent im Wartestand«, gestützt durch Kurt Schumacher, auf keinen Fall zulassen.

Am 17. April stellte Neumann den Oberbürgermeister vor die Alternative: Parteiausschluss oder freiwilliger Rücktritt. Letzteres verband sich mit der Zusage der Berufung in ein »gewichtiges anderes Amt«. Ostrowski gab schließlich nach. So hörten dann am 17. April 1947 die Abgeordneten einen sichtlich Gebrochenen, der sich - »in eine nicht von mir verschuldete Zwangslage gebracht« - genötigt sah, zurückzutreten. Wie Hohn mussten für ihn die »Dankesworte« des Stadtverordnetenvorstehers und Parteifreundes Otto Suhr klingen.

133 Tage war Ostrowski im Amt. Die SPD löschte fortan seinen Namen; das versprochene »gewichtige andere Amt« blieb zeitlebens aus, ebenso eine Rehabilitierung seitens seiner Partei.

Foto: nd-Archiv

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