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Von Robert D. Meyer, Chemnitz
14.04.2012

Posse mit Innenministerium

Ein Chemnitzer Karfreitagskonzert mit Folgen

Die Musiker der deutschlandweit bekannten Band »Kraftklub« haben mit einem nicht genehmigten Freiluftkonzert am Karfreitag im sächsischen Chemnitz für Aufsehen gesorgt. Mittlerweile interessiert sich sogar das Innenministerium in Dresden für den Auftritt, während die Stadtverwaltung den Vorfall zu den Akten legen will.

Für ihre Anhänger sind sie Helden, welche das angestaubte Ansehen ihrer Heimatstadt ein wenig aufpolieren wollen, für so manchen Christen sind sie seit Karfreitag wohl eher ein echter Fluch. Die fünf Jungs der Chemnitzer Rockband »Kraftklub« hatten vor einer Woche in ihrer sächsischen Heimatstadt einen ungewöhnlichen Auftritt. Die deutschlandweit bekannten Musiker gaben am Karfreitag zusammen mit der Berliner Hip-Hop-Formation K.I.Z. ein rund 45-minütiges Konzert auf dem Dach einer Disko, welche sich in der Chemnitzer Innenstadt direkt gegenüber dem Karl-Marx-Monument befindet.

2000 Menschen kamen

Obwohl sie die nicht angemeldete Aktion erst am gleichen Tag und allein über das Internet als »ein geheimes Guerillakonzert« ankündigten, kamen etwa 2000 Menschen zum Auftritt der befreundeten Musiker. Aufgrund des großen Andrangs mussten 20 Polizeibeamte eine nahe liegende Straße vorübergehend sperren.

Ein wenig erinnerte der Auftritt der Chemnitzer Rockband an das legendäre letzte Konzert der Beatles 1969 auf den Dächern ihres Tonstudios in London. Im Gegensatz zum Auftritt der Pilzköpfe schritten in Chemnitz allerdings keine Ordnungshüter ein. Dennoch drohen den Musikern rückwirkend Konsequenzen. Mit ihrem Konzert unter freiem Himmel habe »Kraftklub« gegen das Gesetz über Sonn- und Feiertage im Freistaat Sachsen verstoßen, heißt es. Laut Gesetz sind »öffentliche Tanzveranstaltungen und andere öffentliche Vergnügungen, die dem ernsten Charakter dieser Tage zuwiderlaufen« zu bestimmten Anlässen, so auch zum Karfreitag, verboten, da sie dazu geeignet sind, die »seelische Erhebung« zu stören. Verstöße gegen das auch als »Tanzverbot« bekannte Gesetz gelten als Ordnungswidrigkeit und können mit bis zu 5000 Euro Geldbuße bestraft werden.

Beim zuständigen Chemnitzer Ordnungsamt sah man die Angelegenheit zunächst eher gelassen. Die Stadtverwaltung ließ Ostermontag mitteilen, keine Untersuchung gegen die Musikcombo einleiten zu wollen. Laut Medienberichten der »Freien Presse« soll Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) sich persönlich dafür eingesetzt haben.

Ganz so einfach ist die Angelegenheit dann allerdings nicht. Der Fall hat sich mittlerweile bis in die Amtsstuben der Sächsischen Staatsregierung herumgesprochen. In einer Anfrage an die Chemnitzer Stadtverwaltung will das CDU-geführte Innenministerium nun wissen, wie die Entscheidung gegen die Verhängung eines Bußgeldes zustande kam. Sauer über den Auftritt am Karfreitag ist auch der evangelische Superintendent Andreas Conzendorf. Er will Anzeige gegen die Musiker erstatten.

LINKE für Abschaffung

Unterstützung bekommt »Kraftklub« dagegen von der Politik. LINKEN-Stadträtin Sabine Pester zeigte sich angesichts der im Internet veröffentlichten Konzertbilder von der Aktion sehr angetan. »Das war eine begeisternde Kulisse, die ich mir öfters für Chemnitz wünsche«, erklärte die jugend- und familienpolitische Sprecherin. »Wir leben in einem Land, in dem Staat und Kirche nach dem Grundgesetz zwei grundsätzlich verschiedene Dinge sind«, sagte die Kommunalpolitikerin. Gegenüber »nd« bezeichnete Pester das Tanzverbot als »nicht mehr zeitgemäß« und fordert dessen Abschaffung.

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