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Von Benjamin Beutler
14.04.2012

Derivate auf ein langes Leben

Internationaler Währungsfonds schürt Alterungspanik und empfiehlt riskante Finanzprodukte

Pensionsfonds verwalten ein Vermögen von rund 2,3 Billionen US-Dollar. Laut einem aktuellen Bericht sollen sie sich finanziell besser auf die steigende Lebenserwartung einstellen.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat die weltweit steigende Lebenserwartung als Bedrohung für das internationale Finanzsystem ausgemacht. In einer am Mittwoch veröffentlichten Internet-Vorabversion des »Finanzstabilitätsberichts 2012« wird eindringlich vor den Folgen zu erwartender »Langlebigkeitsschocks« gewarnt. Regierungen, Rentenversicherungen und private Investoren hätten das Tempo des demographischen Wandels und somit die »finanziellen Folgen des Alterns« zu niedrig angesetzt, heißt es darin. Für die nächsten Jahre und Jahrzehnte werden »nicht nachhaltige« Finanzierungslücken für öffentliche Haushalte und Pensionsfonds befürchtet, was die ohnehin laufenden Konsolidierungsanstrengungen verkompliziert.

Damit liefern die IWF-Prognosen den Verantwortlichen EU-weiter Schuldenbremsen und Einspar-Orgien das passende Schreckens-Szenario. Wenn Menschen 2050 drei Jahre älter werden, als es konservative Prognosen bisher berechneten, kämen laut Bericht auf die Volkswirtschaften der Industriestaaten Mehrkosten um 50 Prozent der aktuellen Wirtschaftsleistung zu, in Schwellenländern um 25 Prozent. »Auf Basis dieser Grundkalkulationen ist unerwartete Langlebigkeit, die zwar einen klaren Nutzen für Individuen und die Gesellschaft als Ganzes darstellen, ein finanzielles Risiko für Regierungen und Rentendienstleister«, schlägt der Währungsfonds Alarm.

Glaubt man den IWF-Experten stellt der demographische Wandel das gesamte Wirtschaftsgefüge in Frage. Eine Gesellschaft mit zu vielen Menschen reifen Alters sei wenig produktiv und gefährde das Wachstum. Studien in OECD-Ländern zur Altersstruktur der arbeitenden Bevölkerung würden zudem zeigen, dass der »bestehende optimale Mix beschädigt wird durch das Vorhandensein von zu viel alten Arbeitern«. Für das Aufrechterhalten hoher Produktivität sei es ein Problem, wenn alte Menschen vor allem Dienstleistungen und nicht Konsumgüter nachfragen würden. Besonders schwer wird bei Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft folgende Diagnose wiegen: Weniger Angebot an frischen Arbeitskräften führe zu einem »höheren Kapital-Arbeit-Verhältnis, was zu einer Verringerung erwarteter Gewinne aus Investitionen neigt«.

Den Königsweg aus dem Schlamassel liefert die IWF-Studie gleich mit: längere Lebensarbeitszeiten und die Anwerbung junger Arbeitskräfte durch Einwanderung. Aufschlussreich ist die Einschätzung der Autoren über die Stabilität privat finanzierter Alterssicherung. »Die meisten Pensionsfonds in den fortgeschrittenen Wirtschaften sind derzeit unterfinanziert«, äußern die Studienautoren ihre Sorgen um deren »finanzielle Gesundheit«.

Als Medizin soll mehr Finanzmarkt helfen. Neben dem Ausbau der privaten Vorsorge wird dafür geworben, dass Pensionsfonds auf innovative Finanzmarktinstrumente setzen, die besser mit dem Langleibigkeitsrisiko umgehen könnten. Dazu zählen bestimmte Derivate oder Swaps, bei denen es sich im Prinzip um Wetten auf die Lebenszeit von Rentnern handelt.

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