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Von Alexander Ludewig
17.04.2012

Leichter als gegen Dortmund

In den Halbfinalspielen gegen Real Madrid entscheidet sich die gesamte Saison des FC Bayern München

Mit einem letzten, bissigen Abschiedsgruß sagte Uli Hoeneß der verlorenen Meisterschaft ade. »Bei aller Liebe, die Dortmunder haben etwas hungrigere Spieler aber sie haben keine Weltklassespieler.« Er sehe noch keine ganz große Gefahr für seinen FC Bayern. Außerdem müsse sich der BVB auch erst international beweisen.

Den Münchnern bietet sich diese Möglichkeit dagegen schon heute - im Halbfinalhinspiel der Champions League. Einen Mangel an Weltklassespielern beim Gegner kann der Bayern-Präsident nicht beklagen. In der Münchner Arena ist Real Madrid zu Gast. Allen voran mit Cristiano Ronaldo, der in Spanien gerade wieder Rekorde bricht. Sein 41. Ligatreffer am Sonnabend beim 3:1-Sieg gegen Sporting Gijon bedeutet schon fünf Spieltage vor Saisonende eine neue Bestmarke in der Primera Division. Zusammen bringen es die Königlichen auf 107 Tore und führen die Tabelle noch immer mit vier Punkten vor dem Erzrivalen FC Barcelona an.

Für Hoeneß ist die Sache klar, zumindest da jetzt alle Chancen in der Bundesliga verspielt sind. Er nimmt lieber »das Champions-League-Finale in München als die Meisterschaft«. So hätte er sich auch vor der Saison entschieden. Und selbst wenn die Münchner das Endspiel dann verlieren würden, wäre es für Hoeneß trotzdem eine »Supersaison«.

Da gibt es nur ein Problem, genauer gesagt zwei. Die beiden Halbfinalspiele gegen Real Madrid. »Der Druck könnte nicht größer sein«, sagte Bayern-Trainer Jupp Heynckes vor den Begegnungen mit Madrid, die über Wohl und Wehe einer ganzen Spielzeit entscheiden. Doch gibt es einige Gründe, warum die Münchner zuversichtlich ins Halbfinale gehen können.

Einer ist ausgerechnet der Irrglaube von Hoeneß, dass möglichst viele Weltklassespieler entscheidend seien. Borussia Dortmund widerlegte es im direkten Duell mit den Münchnern eindrucksvoll. Und bewies, welch großer Vorteil eine funktionierende Mannschaft ist. BVB-Trainer Jürgen Klopp machte dem FC Bayern dann auch Mut: »Real Madrid verteidigt nicht so gut wie Borussia Dortmund.«

Klopps Schmunzeln dabei war nur die Verwunderung, solch einen Satz tatsächlich mal sagen zu können. In der Sache hat er Recht. Zwar hat Trainer Jose Mourinho Real Madrid einen etwas defensiveren Stil verordnet. Dass sich die gesamte Mannschaft geschlossen und diszipliniert der laufintensiven Abwehrarbeit widmet, hat auch der ehrgeizige Portugiese nicht geschafft. Das macht es vor allen den Münchner Flügelspielern Franck Ribery und Arjen Robben leichter. An deren Qualität hängt viel im Bayern-Spiel. Und lässt man sie spielen, können sie jedem Gegner wehtun.

Dennoch, die Aussicht auf das Finale im eigenen Stadion lässt sich nur erhalten, wenn der FC Bayern mit mehr Leidenschaft als zuletzt spielt und konzentrierter verteidigt. »Wir dürfen keine Fehler machen, denn das wird bestraft«, ahnt Robben. Denn die Leidenschaft von Real Madrid war und bleibt das Toreschießen - mit einer spektakulär besetzten Offensivreihe. Ronaldo und Co. schossen in dieser Saison insgesamt schon 157 Pflichtspieltore.

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