19.04.2012

Aus der Traum

Standpunkt von Fabian Lambeck

In blühende Landschaften wollte Helmut Kohl die ihm zugefallene DDR verwandeln. Und es blühte tatsächlich bald überall - zumindest auf den sich ausbreitenden Industriebrachen. Dort, wo einst Millionen Arbeit fanden, wuchs Unkraut. Die bewusste Zerschlagung der DDR-Industrie setzte den größten Migrationsstrom in Mitteleuropa seit dem zweiten Weltkrieg in Gang. Millionen zogen der Arbeit wegen in den Westen.

Doch so ganz wollte man den Osten dann doch nicht deindustrialisieren. Mit Hilfe eines milliardenschweren Subventionsprogramms versuchte man, Investoren anzulocken. Nach dem Gießkannenprinzip wurde großzügig verteilt. Kein Wunder, dass diese Strategie kein nachhaltiges Wachstum zur Folge hatte: Sobald die Subventionsbindung auslief, machten etliche der so geförderten Betriebe dicht.

Mit der Solarbranche sollte aber alles anders werden. Hier wurde innovative Technologie in die neuen Länder geholt. Der ehemalige Chemiestandort Bitterfeld-Wolfen - einst der Inbegriff für Umweltverschmutzung - verwandelte sich in ein Solar Valley. Endlich schien es gerechtfertigt, Subventionen großzügig zu verteilen, wurde hier doch internationale Spitzentechnologie produziert. Aus der Traum. Die Gesetze des Kapitalismus lassen sich auch durch Subventionen auf Dauer nicht aushebeln. So wird die Solarbranche das traurige Schicksal all jener ostdeutschen Industrien teilen, denen man kurz nach der Wende die Unterstützung versagte.

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