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Von Jürgen Amendt
20.04.2012

Demokratisch lernen

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Karikatur: Christiane Pfohlmann

Er ist einer der ganz Großen der Pädagogik in Deutschland: Wolfgang Edelstein. Der frühere Direktor am Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung wird in diesem Jahr mit dem Theodor-Heuss-Preis ausgezeichnet. Man wolle damit sein »jahrzehntelanges Wirken für das demokratische Lernen an Schulen würdigen«, heißt es zur Begründung.

»Jahrzehntelanges Wirken« bedeutet aber auch: jahrzehntelanges Ankämpfen gegen Windmühlen. Kaum eine der wiederkehrenden Bildungsdebatten der vergangenen Jahre hatte demokratisches Lernen, also die Teilhabe von Schülerinnen und Schülern an und deren Einfluss auf den Lernprozess zum Gegenstand. Es ging (und geht) vorrangig um Leistungsoptimierung. Schon in den zweiten Klassen werden Vergleichstests geschrieben, die weniger zum Ergebnis haben, individuelle Lernprozesse zu ermöglichen als den Wettbewerb innerhalb der Klasse, zwischen den Klassen und den Schulen anzufachen.

Wolfgang Edelsteins Ansatz war stets, das Eigenengagement von Schülern zu fördern. Lernen sollte nicht ein »äußerlicher Prozess« sein, der von Kindern als Zwang empfunden wird, sondern aus dem Kind selbst entstehen. Dafür braucht es Geduld. Es gibt Grundschüler, die zeigen drei Jahre lang keinerlei Interesse an Mathematik und es gibt Lehrer, die sie dennoch nicht zwingen, sich mit dem kleinen und großen Einmaleins zu quälen; Mathe kann man auch noch im Alter von neun Jahren lernen!

Das klappt, es gibt Schulen, in denen das möglich ist. Staatliche Schulen sind es aber nicht, denen eine solche Pädagogik möglich ist. Hier herrscht der Lehrplan, der Feind der Pädagogik, der Feind des demokratischen Lernens.

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