Von Matthias Koch
21.04.2012

Vage Hoffnung in Potsdam

Turbine will gegen Lyon Wiedergutmachung

Der neue Rasen im Babelsberger Karl-Liebknecht-Stadion erlebt eine mehr als standesgemäße Feuertaufe. Am Sonntag streben die Fußballerinnen von Turbine Potsdam die Wiedergutmachung gegen Olympique Lyon an. Nach der 1:5-Niederlage im Halbfinalhinspiel der Champions League beim französischen Meister will Turbine im Rückspiel ein ganz anderes Bild abgeben. »Wir müssen versuchen, unser Gesicht zu wahren. Wenn man offensiv spielt, ist natürlich immer ein Risiko dabei. Ich hoffe aber, dass der Gegner uns ein bisschen unterschätzt«, sagte Potsdams Trainer Bernd Schröder. »So schlecht können wir nicht noch einmal auftreten. Ich denke, dass noch nichts verloren ist.«

Schröder ist der Frontmann des Vereins. Der 69-Jährige muss den Optimismus vorleben, damit seine Spielerinnen im zweiten Teil des Duells mit dem Titelverteidiger wieder an sich glauben und zumindest ein ehrenhafteres Resultat als im Hinspiel herausholen. Für das Erreichen des Finals bräuchten die Turbinen jedoch schon eine Sternstunde, die einem Wunder gleichkäme.

Mindestens vier Treffer müssten die Potsdamerinnen schießen. Doch lässt Lyon solch eine Torflut überhaupt zu? In ihren bisherigen 28 nationalen und internationalen Pflichtpartien spielten die Französinnen 23 Mal zu null. In den restlichen fünf Partien kassierte die Elf von Trainer Patrice Lair jeweils einen Treffer. Das beweist, wie schwer die Aufgabe ist.

Im 3-5-2-System soll am Sonntag Lyons Stärke im Mittelfeld kompensiert werden. »Wir werden von Anfang an hohen Einsatz zeigen und unser Spiel durchbringen müssen. Wir haben ja in Lyon keine Zweikämpfe gewonnen«, sagte Schröder. In der Offensive bahnt sich mindestens eine Änderung an. Sowohl Genoveva Anonma als auch Yuki Nagasato konnten in Lyon nicht überzeugen. Eine Steigerung erhofft sich Schröder auch von seinem Auswahltrio Babett Peter, Bianca Schmidt und Viola Odebrecht. »Es ist doch selbstverständlich, dass man von Nationalspielerinnen eine andere Leistung erwartet«, sagte Schröder. »Führungsspieler sind eben zu allererst gefragt.«

Eine Leistung wie im Hinspiel darf sich am Sonntag nicht wiederholen, sonst ist auch die Meisterschaft mehr denn je in Gefahr. »Das Spiel ist für uns richtungsweisend. Davon hängt ab, wie wir weiter marschieren werden«, so Schröder. »Wenn wir noch mal so eine schlechte Vorstellung liefern, müssen wir über unser Selbstvertrauen nicht mehr reden.«