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21.04.2012

Über Jahre »entmenschlicht«

Breivik über seine Vorbereitung auf den Massenmord

Das Massaker von Utøya schockte am 22. Juli 2011 Norwegen und die Welt. Nun spricht der Attentäter vor Gericht in Oslo. Er lobt das Terrornetz Al Qaida, bezeichnet sich als »entmenschlicht« - und zurechnungsfähig.

Oslo (dpa/nd). Der norwegische Massenmörder Anders Behring Breivik hat sich nach eigenen Aussagen von der Terrororganisation Al Qaida inspirieren lassen. »Ich habe viel von Al Qaida gelernt«, sagte Breivik am Freitag vor Gericht in der norwegischen Hauptstadt Oslo. Der 33-Jährige hatte während eines Ferienlagers der Sozialdemokraten auf der Fjordinsel Utøya im vergangenen Sommer 69 Menschen getötet, viele davon Jugendliche. Den meisten schoss er gezielt und kaltblütig ins Gesicht. Bei einem Bombenanschlag im Osloer Regierungsviertel riss er acht Menschen in den Tod.

Al Qaida sei so erfolgreich, weil das Terrornetz Selbstmordattentäter einsetze. Das Problem mit militanten Islamisten sei aber, dass sie zu sehr auf Sprengstoff und nicht auf Amokläufe mit Schusswaffen setzten. Dennoch habe er die Organisation Hunderte Stunden lang in Internet und Filmen studiert und eine Art »Al Qaida für Christen« schaffen wollen.

Er habe auch andere Terrororganisationen verglichen. »Die Schwäche der (baskischen Untergrundorganisation) ETA ist, dass sie den Tod fürchten und nicht an das Leben nach dem Tod glauben. Das ist die Schwäche von Marxisten-Bewegungen. Der Vorteil von Al Qaida ist, dass sie Märtyrertum glorifizieren«, so der Angeklagte.

Um seine Attentate durchzustehen, habe er sich emotional total abgekapselt, sagte er. »Man muss gefühlsmäßig abgestumpft sein, das muss man trainieren.« Bis 2006 sei er ein normaler Mensch gewesen. Danach habe er sich über mehrere Jahre »entmenschlicht« und alle Emotionen abgelegt.

Auch seine technische Sprache während der Verhöre sei ein Werkzeug. »Man kann niemanden töten, wenn man mental nicht vorbereitet ist«, sagte Breivik. Er sei aber kein Narziss, der vor allem sich selbst liebe. »Ich fühle eine große Liebe für dieses Land. Das ist nicht normal, aber so bin ich.«

Breivik ist wegen Terrorismus und Mordes angeklagt. Auch am Montag soll er noch einmal befragt werden. Danach will das Gericht Zeugen hören. Dem Gericht liegen zwei Gutachten über den Geisteszustand Breiviks vor. Im ersten wird er als paranoid-schizophren und damit schuldunfähig, im zweiten als voll zurechnungsfähig und nicht psychotisch bezeichnet.


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